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Studenten machen Handy zum Entwicklungshelfer

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Imagine Cup
Die Dresdner Studenten (v.l.) Peter Mucha, Rene Iwan und Thomas Gängler wollen das Handy zum Entwicklungshelfer machen. (Bild: dpa)

am 08.07.2009 | Von Christof Kerkmann, dpa

Dresden/Kairo (dpa) ­ Der richtige Tipp zur richtigen Zeit könnte manchem indischen Bauern die Existenz retten. Was tun gegen Schädlinge auf den Baumwollfeldern? Und wann kommt der Monsun-Regen?

Da viele der Landwirte nicht lesen und schreiben können, sind sie von professioneller Hilfe abgeschnitten. Drei Dresdner Studenten wollen das ändern: Sie haben eine sprachgesteuerte Software entwickelt, mit der die Bauern per Handy von Agrarexperten Rat einholen können. Mit ihrem Projekt erreichten sie das Finale des «Imagine Cup» in Kairo, eines Programmierwettbewerbs des US-Konzerns Microsoft.

Bei der am Mittwoch (8.7.) abgeschlossenen siebten Auflage des Wettbewerbs standen die Milleniumsziele der Vereinten Nationen im Mittelpunkt. Die Nachwuchs-Programmierer sollen mit ihren Software-Lösungen helfen, Armut und Hunger zu bekämpfen, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern und Aids zu stoppen. Voraussetzung: Die Hälfte der angewendeten Technologien muss vom US-Konzern aus Redmond stammen. Denn der denkt nicht nur an die Zukunft des Planeten, sondern auch an seine eigene: «Die Studenten machen sich mit Microsoft-Technologie vertraut ­ das hilft uns, wenn sie in die Industrie gehen», sagt Chefentwickler Ray Ozzie.

Weltweit 300 000 Studierende haben sich nach Microsoft-Angaben beworben, 444 schafften es ins Finale und konkurrierten dort um Ruhm und insgesamt 288 000 Dollar Preisgeld. Die präsentierten Ideen sind so vielfältig wie die Milleniumsziele: Sie reichen von Spielen, die zum Mülltrennen erziehen, über medizinische Systeme bis hin zu einer vollautomatischen Käferfarm ­ sie züchtet eiweißhaltige Insekten- Larven für Menschen in Hungerregionen.

Die Studenten aus Dresden, angetreten in der Kategorie «Software Design», ließen sich durch einen TV-Beitrag inspirieren: Darin ging es um indische Bauern die sich per Internet-Forum mit Agrar-Experten einer Hilfsorganisation austauschen ­ allerdings nur, wenn sie lesen und schreiben können. «Auf dem Land sind aber 60 Prozent der Inder Analphabeten», sagt der Informatik-Student René Iwan.

Damit auch sie künftig Zugang haben, programmierten der Dresdner und seine beiden Kollegen Peter Mucha und Thomas Gängler einen Server mit Spracherkennung so, dass er Fragen aufnimmt und als Audiodatei ins Forum stellt. Sobald die Antwort eines Experten vorliegt, klingelt irgendwo in Indien das Handy - und der Bauer bekommt die Antwort vorgespielt. Einen ersten Praxis-Test hat die Technik bestanden. Um das System für die mehreren hundert Millionen indischer Bauern aufzubauen, müssten allerdings deutlich mehr Experten als bislang mitmachen. Und auch die Technik würde deutlich größer und damit teurer ausfallen.

Die Jury beim Deutschland-Entscheid überzeugte das Konzept, beim internationalen Finale war allerdings in der Vorrunde Schluss. Siegreich war ein Team aus Rumänien - mit einer Plattform, die Bürger und Behörden zusammenbringen soll.

Doch auch ohne Preis habe sich die Teilnahme gelohnt, sagt René Iwan: «Wir haben an der Uni nicht so viele Praxis-Ansätze.» Der Cup sei da eine willkommene Abwechslung gewesen. Ihr Projekt wollen die jungen Software-Tüftler mit Experten aus der indischen Metropole Mumbai weiterführen. Ein eigenes Unternehmen gründen sie aber nicht. «Wir würden das System kostenlos aufsetzen ­ für eine Reise nach Indien.»

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