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Chat-Sprache im Visier der Wissenschaft

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Chatten
Chat-Kürzel «rofl» wirken für Außenstehende wie eine Geheimsprache - doch das Chat-Deutsch hat keine negativen Auswirkungen auf die Sprache. (Bild: dpa/tmn)

am 27.05.2009

Berlin (dpa) - Lach, grins, grübel und merkwürdige Abkürzungen: In Internet-Chats hat sich nach Untersuchungen von Wissenschaftlern ein neues Deutsch entwickelt. Es habe bisher aber keine negativen Auswirkungen auf die Sprache.

Weder Zeitungen noch die Fachliteratur ließen sich von Aktionsworten und Kürzeln der Chat-Sprache beeinflussen, sagte die Linguistik-Professorin Angelika Storrer vor der Berliner Wissenschaftstagung «In den Netzen der Sprache» (27. Mai). Eher sieht sie die Zukunft des Chattens durch die mündliche Kommunikation über den Anbieter Skype bedroht.

Einen ganzen Tag lang beschäftigt sich die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften mit dem Thema Sprache. Neue Einflüsse wie Kiezdeutsch, Jugendsprache und Chat-Gepflogenheiten begreifen Sprachwissenschaftler dabei zumeist als Bereicherung und nicht als Bedrohung des Deutschen. «Für Chats kann ich Entwarnung geben», berichtete Storrer, Linguistik-Professorin an der Universität Dortmund. Außerhalb des Internets tauche Chat-Sprache bisher lediglich in Abi-Zeitungen gehäuft auf. Die Belletristik spiele höchstens - wie zum Beispiel Daniel Kehlmann in «Ruhm» - ironisch mit Chat-Protokollen.

Seit dem Jahr 2000 wird in Deutschland in großem Stil gechattet, also im Internet geplaudert. Typisch für die schnelle Kommunikation via Internet sind sogenannte Emoticons. Das sind Folgen aus Satzzeichen, die Gefühlszustände ausdrücken. Doppelpunkt, Minus und Klammer stehen dann für gute Stimmung. Fast wie eine Geheimsprache wirken für Außenstehende die Abkürzungen «rofl» (rolling on the floor laughing) oder «afk» (away from keyboard). Mit der verkürzenden SMS- Kommunikation gibt es Überschneidungen. Aktionsworte wie «schmoll, knuddel, dahinschmelz, däumchendreh» sind dagegen Eigenheiten des Chats und simulieren Mimik oder Gestik. Auf den ersten Blick erinnert das an Comicsprache.

«Chat-Schreiber stehen unter Zeitdruck und müssen möglichst ökonomisch tippen», erläuterte Storrer. «Denn Schnelligkeit wird oft als schön empfunden.» Sie hat für ihre Studie 480 Chat-Protokolle auf ihre Besonderheiten untersucht. Eine einheitliche Chat-Sprache gebe es nicht, betonte die Forscherin. Die Beiträge unterschieden sich nach ihrem Anlass, sei es nun Freizeit, Bildung oder Flirt. Typisch für alle Chats sei jedoch ein spürbarer Stresslevel. Bei einem Test wechselten die Beteiligten 13 Mal in der Minute zwischen Lesen und Schreiben. Häufig entstehen dabei unzählige Rechtschreibfehler. Sie erklärt sich Storrer jedoch eher mit Zeitdruck als mit dem Unvermögen der Schreibenden.

Vielleicht ist der Chat schon bald wieder aus der schnelllebigen Internet-Welt verschwunden. «Das Skypen ist dabei, dem Chatten den Rang abzulaufen», berichtet Storrer. Besonders im Beruf verdränge die mündliche Kommunikation per Internet und Webcam das schnelle Getippe im Netz. In der psychosozialen Beratung sieht die Wissenschaftlerin eine dauerhaftere Nische für den Chat. Denn das oft anonyme Schreiben nehme Schwellenängste.

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