IT-News World - tägliche PC-, Internet- und IT-NewsIT-News World:   Home | Hier werben | Impressum |
 

 
 

Anzeige 
 
Startseite Aktuelles Berichte Tipps Spiele Surftipp Netzwelt News-Archiv
 
 
IT-News World » Berichte » Der Handyausfall als Kulturschock

Berichte

Der Handyausfall als Kulturschock

Bewertung:
Der Handyausfall als Kulturschock IT-News-World.de 0 5 2
Mobilfunknetz
Für viele ein «Kommunikations-GAU»: Das Mobilfunknetz der Deutschen Telekom war am 21. April in weiten Teilen Deutschlands ausgefallen. (Bild: dpa)

am 22.04.2009 | Von Gregor Tholl, dpa

Hamburg (dpa) - Tuut, tuut? Nein, tot - Anruf fehlgeschlagen, oder die Sendung der SMS. Der stundenlange Ausfall des größten deutschen Handynetzes war ein Kulturschock für Millionen Deutsche - für die meisten war er Fluch, für manchen aber auch Segen.

«Für den Homo Connectus ist Leben da, wo er Netz hat», überschrieb einst Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin und Buchautorin («Das Glück der Unerreichbarkeit») einen Artikel über den ständig vernetzten Menschen. Die «Bild»-Zeitung titelte am Mittwoch (22. April) «Millionen Handys tot!» - die Seite-Eins-Überschrift zeigt, wie wichtig und auch vermenschlicht tragbare Telefone im heutigen Leben geworden sind.

«Die haben fast Entzugserscheinungen gehabt», beschreibt der Soziologe Prof. Dr. Günter Burkart im Gespräch mit dem Audio-Dienst der dpa ein Experiment, bei dem Studenten drei Tage lang ihr Handy abgeben mussten. Die jungen Leute hätten Probleme gehabt, sich im Alltag zu organisieren. Der hohe Zugewinn an Mobilität, Flexibilität und Freiheit, den das bequeme Handy bedeute, habe plötzlich gefehlt, sagt der Professor von der Universität Lüneburg. Er ist Autor des Buches «Handymania: Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat».

Bei fast keinem anderen Thema werden Generationenunterschiede so deutlich. Handys gibt es erst seit gut 15 Jahren. Für manchen war es nun also ein paar Stunden fast wie früher, für viele Jüngere brach hingegen ihre Welt zusammen.

Dem einen oder anderen dürften am Dienstag (21. April) Verabredungen geplatzt sein oder er konnte sie erst gar nicht treffen. Bei manchem banalen Telefonat, dass man in Bus oder Bahn manchmal mithören muss, liegt der Gedanke nahe, dass es nicht schade war, wenn es mal nicht stattfinden konnte. Doch die ernste Seite des Ausfalls ist nicht zu unterschätzen: T-Mobile merkte es selbst, als es Probleme gab, Techniker aus dem Feierabend zu klingeln - das Handy ging ja nicht.

Auch wichtige Einrichtungen wie Pflegedienste waren schlechter oder eben gar nicht erreichbar. Immerhin: Hilfsorganisationen und die Feuerwehr arbeiten in Deutschland meist mit eigenen Funknetzen.

Doch bei der Polizei sieht das schon anders aus. Zwar ist auch hier Funk im Einsatz, doch die veraltete Technik ergänzen die Beamten immer öfter mit ihren dienstlichen und privaten Handys, wie es von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) heißt. «Bei einem Netzausfall können Leben in Gefahr sein», schlägt GdP-Chef Konrad Freiberg Alarm. Bei der Beobachtung Verdächtiger, auch bei der Terrorfahndung, werde oft mit Handys gearbeitet. Es habe «existenzielle Folgen», wenn die ausfallen. Glücklicherweise werde nicht nur auf ein Netz gesetzt.

Viele Bürger in Europa ticken bereits anders. Sie sind mutig und setzen nur noch auf eine Möglichkeit des Telefonierens. Nach einer EU-weiten Umfrage kappen immer mehr Europäer ihren Festnetzanschluss und telefonieren bloß per Mobilfunk. 24 Prozent gaben vergangenes Jahr bei einer repräsentativen Umfrage an, aufs Festnetz zu verzichten. Spitzenreiter sind die Tschechen (64 Prozent), gefolgt von Finnen (61 Prozent) und Litauern (53 Prozent). Die Deutschen liegen bei diesem Trend mit 11 Prozent im Mittelfeld.

Ein Vorfall wie der «größte Telekommunikations-GAU, den Deutschland je erlebt hat» («Bild»), bringt manchen vielleicht zum Umdenken. Ausgefallen waren zwei von drei Servern des sogenannten Home Location Register. Diese zentrale Computersteuerung stellt die Verbindungen zwischen Mobilfunkstationen und den sogenannten SIM- Karten der Handys her. Die Geschäftsbedingungen von T-Mobile sehen bei einer solchen Störung keine Entschädigung für die Kunden vor. Die Geschäftsführung «entschuldigte» sich zunächst lediglich.

Keinen Stress bereitete der T-Mobile-Ausfall übrigens Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin ist begeisterte SMS-Schreiberin, liegt manchem aber auch noch mit ihrem Pressekonferenz-Ausspruch «Könnten wa ma' hier die Handys ausschalten?» von vor einigen Jahren im Ohr. Am Dienstag konnte sie fleißig weiter tippen - im Netz von Vodafone. Diesmal zumindest.

IT-News als RSS-Feed lesen

« vorheriger Artikel
Neue Wii-Steuerung im Paket mit Spielen erhältlich
nächster Artikel »
T-Mobile: Gratis-SMS als Entschuldigung

Weitere News aus Berichte

Von A bis Z: Diese Software-Basics gibt es gratis

08.02.2012 | Von Dirk Averesch, dpa | Berlin (dpa/tmn) - Fürs Ultrabook das letzte Ersparte zusammengekratzt? Einen Kleinkredit für den Gaming-PC aufgenommen? - Dann ist für Software kein Geld mehr übrig. Macht aber nichts. Denn gute Programme müssen nichts kosten. Hier sind sie im Überblick:  .  Weiter lesen ...

Gaming mit alten Rechnern: Hilfreiche Handgriffe

07.02.2012 | Von Tobias Hanraths, dpa | Berlin/Dresden (dpa/tmn) - Fantasieländer, Dschungel oder der Weltraum: Ein Gaming-PC mit Top-Ausstattung ist für seinen Besitzer das Ticket zu Reisen in aufregende Welten. Für Besitzer älterer Rechner sind solche Trips nicht ganz so leicht - aber auch nicht unmöglich.  .  Weiter lesen ...

AV-Receiver: Schaltzentrale der Heimkino-Unterhaltung

02.02.2012 | Von Renate Grimming, dpa | Berlin (dpa/tmn) - AV-Receiver dienen als Schaltzentrale für das Heimkino. Lange galten die Geräte als besonders exklusive Lösung. Nach einem gewaltigen Preissturz in den vergangenen Jahren sprechen sie inzwischen einen deutlich erweiterten Nutzerkreis an.  .  Weiter lesen ...

Transmediale spürt Brüche im digitalen Alltag auf

01.02.2012 | Von Peter Zschunke, dpa | Berlin (dpa) - Stromschläge, Hacker-Workshops und Kapitalismus-Kritik: Das Berliner Festival Transmediale erkundet die Grenzen der Netzkultur. Dort zeigen 200 Künstler ihre Projekte zum Leitthema «in/compatible».  .  Weiter lesen ...

Auf Nimmerwiedersehen: Daten richtig löschen

01.02.2012 | Von Thomas Joos, dpa | Berlin (dpa/tmn) - Aus den Augen, aus dem Sinn: Mit Hausmüll kann man getrost so verfahren. Bei Dateien, die verschwinden sollen, braucht es mehr Sorgfalt: Um ein sicheres Datengrab zu schaufeln, darf man sich nicht auf die Löschfunktion des Betriebssystems verlassen.  .  Weiter lesen ...

Weitere News aus dem Bereich Berichte »

 

«Playstation-Handy» Xperia Play / Das «Playstation-Handy» Xperia Play von Sony Ericsson verbirgt unter dem Bildschirm statt einer Tastatur die typische Steuerung der Spielkonsole. (Bild: Sony Ericsson/dpa/tmn)
 
     
 

Anzeige