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Wikileaks kämpft für absolute Informationsfreiheit im Netz

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Internet-Portal Wikileaks
Wikileaks-Mitarbeiter Daniel Schmitt vor der Webseite des Internet-Portals Wikileaks. (Bild: dpa)

am 20.04.2009 | Von Lars-Marten Nagel, dpa

Hamburg (dpa) ­ Ist es ein wertvolles Instrument für Journalisten und Blogger? Oder ein Hort für Pornografie und Verleumdungen? Das Internet-Portal Wikileaks gerät immer wieder in die Schlagzeilen.

Nutzer können auf der Seite geheime Dokumente an die Öffentlichkeit bringen - daher der Namensbestandteil «leaks» (Lecks). Was die Internetgemeinschaft als radikale Informationsfreiheit preist und einige renommierte Medienhäuser für die Recherche nutzen, finden Behörden nicht selten bedenklich.

«Wir sind eine Gruppe von Menschenrechtlern, Dissidenten, Journalisten und Technikern, die eine unzensierbare Internetplattform für heikle Dokumente betreiben», sagt Daniel Schmitt, ein deutscher Mitarbeiter der Webseite. Die Mehrzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter bleibt lieber anonym, denn primäres Ziel ist die Unterwanderung der «von Unterdrückung geprägten Regime» etwa in China, Russland, dem Nahen Osten oder Afrika.

Wie in der Wikipedia kann jeder Nutzer Themen veröffentlichen. «Wir prüfen die Authentizität des Dokuments und stellen es auf die Website», sagt Daniel Schmitt. Danach sei es fast unmöglich, die weitere Verbreitung aufzuhalten. Die Internet-Server der Organisation stehen in vielen Ländern - unter anderem in Schweden, das eines der liberalsten Pressegesetze der Welt hat. «Wird von den Behörden eines Landes ein Server stillgelegt, dann sind die Dokumente über andere weiter beziehbar», betont Schmitt.

Für Journalisten birgt die Nutzung aber Risiken. Denn trotz der Prüfung durch Wikileaks ist die Authentizität der Unterlagen nicht gesichert. So findet sich auf der Website eine manipulierte Krankenakte, die Apple-Chef Steve Jobs einen positiven HIV-Test bescheinigt - angereichert um Kommentare, die das Dokument als Fälschung entlarven.

Einige international renommierte Medien wie die «New York Times» oder der «Guardian» greifen dennoch regelmäßig auf Dokumente von Wikileaks zurück. Auch Thomas Thiel, Redakteur der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», hat bei Recherchen über einen Fall von Steuerhinterziehung und Geldwäsche des schweizerischen Bankhauses Julius Bär die Geheimunterlagen genutzt. «Nur so konnte ich die Bank gezielt mit Vorwürfen konfrontieren», sagt der Journalist.

Allerdings mahnt er zu Vorsicht: «Die Authentizität der geheimen Unterlagen lässt sich nur durch gezielte Nachfragen bei den Verantwortlichen bestätigen.» Sein Fazit: «Wikileaks ist eine Ausgangsbasis für investigativen Journalismus, sollte aber nur verwendet werden, wenn man auch zur eigenen Recherche bereit ist.» Sonst werde die Website schnell zu einem Nährboden für Gerüchte.

Während einige Journalisten das Portal schätzen, tun sich deutsche Behörden mit so viel Offenheit gegenüber dem Geheimen schwer. Als Berichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) bei Wikileaks auftauchten, habe BND-Präsident Ernst Uhrlau um Löschung gebeten, berichtet Daniel Schmitt. Vergeblich: Die Dokumente stehen noch immer online und haben die Aufmerksamkeit der Internetnutzer wie der Medien erst recht geweckt.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte Wikileaks schon im Visier: Wegen des Verdachts der «Verbreitung von pornografischer Schriften» durchsuchten Polizisten vor drei Wochen die Wohnung von Theodor Reppe, dem Inhaber der deutschen Wikileaks-Domain. Die Macher hatten Listen mit Websites veröffentlicht, die unter anderem in Australien wegen Kinderpornografie gesperrt werden. Doch die Zensur betraf nach Ansicht von Wikileaks auch politische Seiten. Das wollte man nicht hinnehmen. Der Verdacht der Behörden ist mittlerweile ausgeräumt - für Wikileaks sicher ein Sieg der Informationsfreiheit.

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