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Hobby-Kartographen erstellen Weltkarte zum Nulltarif

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Open-Street-Map-Projekt
Weltkarte nach dem Mitmach-Prinzip von Wikipedia - mit Notizblock und GPS-Gerät gewappnet erkundet ein Mann seine Region in Mittelfranken. (Bild: dpa)

am 15.04.2009 | Von Klaus Tscharnke, dpa

Nürnberg/Schnaittach (dpa) ­ Das Mitmach-Lexikon Wikipedia hatte es vorgemacht ­ jetzt wollen Wanderer, Freizeitradler und Segler und alle, die gute Landkarten brauchen, nachziehen.

Im Rahmen des sogenannten Open-Street-Map-Projekts (OSM) entsteht die erste Weltkarte zum Nulltarif. Allein im Deutschland engagieren sich inzwischen mehr als 20 000 als aktive Hobbykartographen. «Wir haben in Deutschland weltweit die größte Open-Street-Map-Community - sogar Großbritannien, wo die OSM-Idee entstand, haben wir inzwischen überholt», sagt der OSM-Aktive Frederick Ramm von der Karlsruher Geofabrik.

Eine Karte zum Nulltarif, die mit dem Detailwissen Tausender von Nutzern perfektioniert wird ­ das ist für den in Franken lebenden Schweizer Markus Bärlocher das Hauptmotiv für sein Engagement beim Projekt Open-Street-Map. «Das Verrückte an OSM ist: Du kannst jede Idee umsetzen, Du musst es nur selber machen», erzählt der Kartenfreak, der sich schon bei Wikipedia engagiert hat.

Begonnen hat er mit seinem Beitrag direkt vor seiner eigenen Haustür. Bis vor zwei Jahren hatte sein Wohnort Hüttenbach in Bayern auf der OSM-Deutschlandkarte nur als Ortsname bestanden. Mit Kompass und Maßband, begann er die umliegenden Wohnstraßen zu vermessen. Später perfektionierte er seine Aufzeichnungen mit einem Satelliten- Navigationsgerät ­ um die Angaben danach über Computer und Internet in die Mitmachkarte zu kopieren.

Die Idee für den Aufbau einer Weltkarte nach dem Mitmach-Prinzip von Wikipedia hatte der Engländer Steve Coast. Er strebte damit eine Unabhängigkeit von den großen Internetkarten-Anbietern wie Google-Maps oder Tele-Atlas an. Seitdem ziehen Freiwillige rund um den Globus mit Notizblock und GPS-Geräten los und vermessen ihren Wohnort und ihre Region. Weltweit beteiligen sich etwa 120 000 Freiwillige an dem Projekt.

Als Grundlage dienen den OSM-Engagierten häufig Luftbilder, die der Google-Konkurrent Yahoo dem Projekt zur Verfügung stellt. Diese dienen dann als Grundlage, um Wälder, Hauptstraßen, Gewässer, Bahnlinien und Ortschaften am Computer abzuzeichnen. Die weiteren Details steuern dann Tausende von Freiwilligen bei. Sie zeichnen bei Radtouren und Wanderungen, beim Inlineskaten oder bei Familienausflügen mittels GPS-Geräten Feld- und Forstwege auf und tragen die Standorte von Bahnhöfen, Kliniken, Apotheken und Unterkünften ein. Eingespeist in eine riesige Datenbank lassen sich daraus neben einer Basiskarte auch Spezialkarten mit Wander-, Fahrrad- und Reitwegen erstellen.

Noch ist die deutsche OSM-Karte lückenhaft, räumt OSM-Vertreter Ramm ein. «Wenn sie sich die deutschen Uni-Städte anschauen - die sind picobello erfasst. Wo es technisch-interessierte junge Leute gibt, gibt es auch eine große OSM-Aktivität, in ländlichen Gebieten haben wir dagegen noch Schwierigkeiten», sagt der Wirtschaftsingenieur, der inzwischen die OSM-Karten bei der Herstellung von Stadtplänen nutzt. Gut erfasst seien auch Berlin und Hamburg. «Die beste OSM-Karte gibt es inzwischen von Dresden. Dort haben Aktive jedes einzelne Wohnhaus erfasst.»

Die Motive für die unentgeltliche Mitarbeit an dem Mitmach-Karten-Projekt ist nach Ramms Angaben unterschiedlich: «Es gibt Leute, die einfach Interesse an kostenlosen Landkarten haben». Bei anderen spiele auch ein bisschen Lokalpatriotismus eine Rolle: «Die sehen, dass der Nachbarort bereits komplett kartographisch erfasst ist, ihr eigener aber noch nicht». Für andere bekomme mit OMS eine Fahrradtour einen zusätzlichen Sinn, wiederum andere betrachteten OMS als Weltanschauung. Die Möglichkeit sich von großen Kartenanbietern unabhängig zu machen, stelle für sie eine Art «geografische Meinungsfreiheit» dar.

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