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Neuer Volkssport? Die Spuren der Anderen im Internet

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Steffen Rühl
Geschäftsführer Steffen Rühl ist Mitbegründer Personensuchmaschine Yasni, die im Oktober 2007 online ging. (Bild: Yasni)

am 03.04.2009 | Von Tobias Goerke, dpa

Hamburg/Frankfurt (dpa) - Die Personensuche im Internet könnte zum neuen Volkssport werden. Jeden Monat versuchen Millionen Deutsche, mit Hilfe neuer Suchmaschinen mehr über andere Leute zu erfahren. 

Dabei tragen diese Dienste alle frei verfügbaren Informationen zu einem Namen zusammen und entwerfen ein Profil: Ganz gleich, ob es um einen Text, den Beitrag in einem Forum, Fotos, Kontakt-Daten oder sogar um die Kreditkartennummer geht. Da heißt es: Privatsphäre adieu, denn die Lust am Spionieren ist groß. Manch einer merkt erst jetzt, wie viele Informationen er leichtfertig ins Netz gestellt hat. Beschwerden bei Datenschützern haben jedoch kaum Aussicht auf Erfolg.

«Es ist ein natürliches Bedürfnis, etwas über andere Menschen zu erfahren», sagt Marko Ubovic von der Personensuchmaschine Yasni. Der Marketing-Manager merkt allerdings an, dass meistens zuerst der eigene Name geprüft werde. «Die Datenschutz-Skandale haben eine Sensibilität für die eigenen Daten geschaffen.» Dadurch habe die sogenannte Ego-Suche zuletzt sogar noch zugenommen. Daneben suchten die Kunden vor allem nach Verwandten und Freunden. «Und auch Leute, die man nicht so gerne mag», gibt Ubovic zu. Gerade in diesen Fällen wolle der User «verborgene Informationen» entdecken.

In einer Studie der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (AGOF) wurden im Schnitt 2,69 Millionen verschiedene Nutzer pro Monat für Yasni gezählt - mehr als beim Webauftritt der Gelben Seiten. «Rund ein Drittel aller Suchanfragen im Internet sind personenbezogen», sagt Ubovic. «Wir sorgen dafür, dass die Suche schneller geht.» Die Ergebnisse seien zwar die gleichen wie etwa beim Branchenprimus der Suchmaschinen, Google, würden aber übersichtlicher zusammengestellt. Ähnlich läuft es auch bei den Wettbewerbern wie 123people oder Spock.

«Yasni ist eine Meta-Suchmaschine», erklärt Ralf Menger vom Datenschutz-Dezernat im Regierungspräsidium Darmstadt. Die Suchmaschine durchforste vor allem andere Suchdienste und soziale Netzwerke wie Xing oder studiVZ. Menger stellt klar: «Sie findet aber keine Personen, sondern Namen.» So setzt sich das Ergebnis bei gängigen Namen aus einer Vielzahl von Identitäten zusammen. Erst wer sich registriert, kann dem Profil die richtigen Beiträge zuordnen.

500 000 Menschen haben sich in den ersten 17 Monaten seit dem Start bei Yasni angemeldet, rund 500 Profile werden allerdings jeden Monat gelöscht, weil sie nicht genutzt werden. Man gehe davon aus, dass es sich dabei um gefälschte Einträge handele, sagt Ubovic. Die Verlockung für Spaßvögel ist groß, denn die Anmeldung ist kostenlos - der Betreiber finanziert sich über Werbe-Einnahmen.

Der «Spiegel» kritisierte jüngst die «Schleppnetzfischerei für E- Mail-Adressen, politische Aktivitäten und alte Sünden» solcher Suchmaschinen. Selbst gelöschte Profile tauchen dabei wieder auf und im «Cache», dem Speicher der Suchmaschinen, verbleiben Blog-Einträge auf Dauer. Auch etwa die digitalen Merkzettel der Kunden beim Online- Shop Amazon stehen auf diese Weise mal im Netz an prominenter Stelle. So bleiben die Lieblings-Bücher und -Filme keine Privatsache des Käufers mehr, der vielleicht gerade die Anonymität des Online-Handels suchte.

Fälle wie dieser haben 2008 zu rund 50 Beschwerden bei der zuständigen Datenschutz-Behörde in Darmstadt geführt. «Das ist viel», sagt Menger. Er macht Yasni aber keinen Vorwurf. «Suchmaschinen sind im Internet unverzichtbar. Und für einen Internet-Inhalt ist immer derjenige verantwortlich, der ihn anbietet und nicht der ihn findet.» Menger spricht sogar von «datenschutzfreundlichen Effekten», indem der Dienst auf unerwünschte Einträge aufmerksam mache. Die Frage bleibt jedoch, wer die digitalen Altlasten zuerst entdeckt: Der Nachbar, die Partnerin, der Chef oder doch der Verursacher selbst?

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