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Brettspiele sind auch online beliebt

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Brettspiele online
Ein Klassiker digitalisiert: Carcassonne kann man auch im Internet spielen. (Bild: Brettspielwelt.de/dpa/tmn)

am 25.03.2009 | Von Florian Sanktjohanser, dpa

Geltendorf/Wien (dpa/tmn) - Das erste Mal begegneten sich Sabine und Matthias im Café International in ARMfeld. Sie plauderten nett und setzten einander auf die Watchlist. Heute sind sie in Wien verheiratet und haben vor kurzem ihr erstes Baby bekommen.

Wer von Watchlisten noch nie gehört hat oder ARMfeld nicht kennt - die Stadt ist die älteste virtuelle Siedlung der Brettspielwelt oder «BSW», wie sie von ihren Bewohnern meist genannt wird. In diesem Online-Portal kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit Menschen aus aller Welt zusammen, um gemeinsam Online-Versionen von Brettspielen zu spielen.

Nicht jeder sucht und findet hier unbedingt den Partner fürs Leben. Die meisten Besucher kommen nur in die BSW, um zu spielen. Denn das sei ihr großer Reiz, erklärt Alexander Zbiek aus dem bayerischen Geltendorf: zwanglos ohne große Absprachen und Vorbereitungen mit echten Menschen zu spielen. Zbiek hat die BSW vor elf Jahren geschaffen, ursprünglich um mit den Freunden die gemeinsamen Spieleabende wieder aufleben zu lassen, nachdem Beruf und Liebe sie in alle Winde verstreut hatten.

Heute ist die BSW die weltweit größte Online-Plattform für Brettspieler. Jeden Tag tummeln sich hier laut Zbiek durchschnittlich zwischen 6000 und 7000 Spieler. Sie haben die Wahl zwischen mehr als 70 Spielen plus Erweiterungen und Variationen. Es gibt japanische, französische und englische Ausgaben. Auch für Thomas Reuter von der Fachzeitschrift «Spielbox» ist die BSW «das relevante Portal». Sie biete die meisten Titel und setze Neuheiten auf dem Spielemarkt in der Regel am schnellsten elektronisch um.

Wer dagegen Klassiker wie «Mühle» oder «Mensch ärgere Dich nicht» bevorzugt, kann zwischen einer unüberschaubaren Vielzahl von Anbieter-Seiten wählen. Um unseriöse Angebote zu erkennen, sollten Nutzer darauf achten, dass sie bei der Registrierung keine Postadresse oder gar Bankdaten angeben müssen, rät Reuter.

Eine Sonderstellung unter den Klassikern nimmt auch im Internet das Spiel der Könige ein. Auf der weltgrößten Seite «Schach.de» kämpfen pro Tag rund 25 000 Spieler um Ruhm und «Elo»-Punkte, erklärt Pressesprecher Andre Schulz. Diese Wertungszahl errechnet sich aus der Formel des ungarischen Physikers Arpad Elo. Je nach Wertung des Gegenspielers könne in jeder Partie eine bestimmte Anzahl von Punkten gewonnen - oder auch verloren - werden. Eine wesentliche Motivation besteht also darin, die eigene Elo-Zahl nach oben zu treiben.

Während Online-Schach stark wettkampforientiert ist, geht in der BSW miteinander Spielen vor Gewinnen. So sieht zumindest das Idealbild ihres Gründers Alexander Zbiek aus. Ganz so harmonisch geht es in den Spielräumen freilich nicht immer zu. Der Selbstversuch zeigt, dass sich die Konversationen während der Spiele oft auf das Nötigste beschränken und der Ton bisweilen ziemlich ruppig ist. Für viele Spieler geht es eben auch hier vor allem ums Gewinnen. Doch meist verlaufen die Partien friedlich und aus vielen Spielgruppen entwickeln sich im Laufe der Jahre Freundschaften, sagt Zbiek. Oder auch, wie bei Sabine und Matthias, ein bisschen mehr.

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