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BerichteSuchtgefahr Computerspiele: «Höhere Altersgrenzen»
![]() Nicht wenige Jugendliche sitzen jeden Tag Stunden vor Computer oder Spielkonsole - Forscher warnen vor Suchtgefahren. (Bild: dpa) am 16.03.2009 | Von Christina Sticht, dpa Hannover (dpa/lni) - Die Zahlen sind alarmierend: Fast jeder sechste 15-jährige Junge hängt täglich länger als 4,5 Stunden gebannt vor PC-Spielen, drei Prozent der männlichen Neuntklässler sind sogar von ihnen abhängig. Die Autoren der nach eigenen Angaben bisher größten deutschen Jugendstudie zu Computerspielen forderten am Montag (16.3.) Konsequenzen aus den Ergebnissen. «Der Staat muss eine neue Alterseinstufung vornehmen», sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Prof. Christian Pfeiffer. So müsse die Altersgrenze für das Spiel mit dem größten Suchtpotenzial, «World of Warcraft», von derzeit 12 auf 18 Jahre angehoben werden. Unterstützung findet der Kriminologe dabei von der Politik. Die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) will juristisch prüfen lassen, ob eine Änderung der Alterseinstufung umsetzbar ist. Ein möglicher Stolperstein dabei: Bisher ist die Suchtgefahr kein Kriterium bei der Prüfung der Spiele durch die «Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle» (USK). Bei der USK stößt der Vorstoß aus Niedersachsen auf Kritik. «Man sieht Spielen nicht an, ob sie exzessives Spielverhalten fördern», sagte USK-Geschäftsführer Olaf Wolters. Seiner Auffassung nach gibt es ausreichend Kontrollmechanismen, die eine Anhebung der Altersgrenze unnötig machten. So könnten Eltern zum Beispiel mit sogenannten Spielzeitbegrenzern bereits jetzt ihren Kindern feste Spielzeiten vorgeben. Allerdings wissen viele Eltern nicht, was in den Kinderzimmern passiert, in die sich der Nachwuchs stundenlang zurückzieht. Nach der KFN-Studie verbringen die abhängigen Spieler weit mehr Zeit vor dem PC, als sie eigentlich wollen, sie isolieren sich sozial, schwänzen die Schule, schlafen schlecht. «12,3 Prozent der Abhängigen haben schon häufig über Selbstmord nachgedacht», berichtete Pfeiffer. Der Wissenschaftler hofft, «einen Anstoß zu geben, dass Computerspielsucht als Krankheit anerkannt wird». Bisher müssten Abhängige sich unter dem Label Depression behandeln lassen, damit die Krankenkassen zahlten. In einem Forschungsverbund mit der Medizinischen Hochschule Hannover sollen jetzt offene Fragen zur Definition der Computerspielsucht als Krankheit geklärt werden. Beim Online-Rollenspiel «World of Warcraft» tauchen die Jugendlichen in eine fantastische Welt ab, in der sie sich selbst als stark und mächtig erleben. Wer lange spielt, erfährt besondere Belohnungen. Das Spiel sei nicht übermäßig gewalthaltig, sondern vor allem gefährlich, weil es abhängig mache, betonte Pfeiffer. Bei den sogenannten Killerspielen, die auch auf dem PC des Amokläufers von Winnenden gefunden wurden, setzt Sozialministerin Ross-Luttmann auf eine Sensibilisierung des Handels. So kündigte sie verdeckte Computerspiel-Testkäufe nach dem Vorbild der Alkohol-Testkäufe an, die in Niedersachsen bereits praktiziert werden. Verkäufer, die «Killerspiele» an Minderjährige abgeben, müssten mit einem Bußgeld rechnen. Die Ministerin will ihren Vorschlag bei der nächsten Konferenz der Jugend- und Sozialminister von Bund und Ländern auf die Tagesordnung bringen.
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