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Google gegen den Rest: Suchmaschinen unter der Lupe

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Prof. Lewandowski
Prof. Dirk Lewandowski prüft Suchmaschinen auf Herz und Nieren. Der Wissenschaftler rät dazu, sich nicht allein auf Google zu verlassen. (Bild: Stephanie Rex)

am 19.12.2008 | Von Christof Kerkmann, dpa

Hamburg (dpa) - Suchmaschinen sind die Wegweiser im digitalen Universum. Datenreisende können jedoch kaum einschätzen, ob sie in der richtigen Galaxie unterwegs sind - oder vielleicht woanders ein Stern unentdeckt blinkt.

Dirk Lewandowski will bei der Orientierung helfen: Der Professor für Informationswissenschaft an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) prüft Suchmaschinen. Seine Warnung an Cybernauten: Wer nur mit Google in den digitalen Weiten unterwegs ist, könnte einiges verpassen.

Ob «Tokio Hotel», «Barack Obama» oder «Einlagensicherungsfonds» - rund neun von zehn Internet-Suchen in Deutschland bearbeitet Google. Dabei profitiert der Marktführer aus den USA von seinem guten Ruf. «Google war seinen Konkurrenten anfangs haushoch überlegen, die Ergebnisse waren qualitativ besser», sagt Veit Siegenheim, Geschäftsführer bei Accenture und Co-Autor des Buches «Die Google-Ökonomie». Dank vieler Kooperationen sei die Suche zudem bei Partnern wie Dell oder Firefox vorinstalliert gewesen. Schnell, schlicht und treffsicher - so setzte sich das bunte Logo in den Köpfen fest.

Doch die Internet-Suche ist zu wichtig, als dass Dirk Lewandowski sich allein aufs Image verlassen wollte. «Wir nutzen Suchmaschinen jeden Tag, sie beeinflussen massiv unser Bild von der Welt», sagt er. Daher arbeitet er seit 2005 an einem Qualitätsvergleich. Er hat aus zahlreichen Studien einige Kriterien herausgeschält, anhand derer er nun die großen Anbieter prüfen möchte.

Erster Prüfstein ist der Index der durchsuchbaren Seiten - wie groß, vollständig und aktuell ist also der Datenbestand? Legt man die Angaben der Betreiber zugrunde, ist Google die Nummer 1: Im Juli vermeldete der Gigant, eine Billion Websites im Bestand zu haben. Doch der größte Berg Informationen ist nutzlos, wenn die Suche nicht das zu Tage fördert, was den Nutzer interessiert. Daher wird Dirk Lewandowski künftig auch die Qualität der Suchfunktionen testen.

Das Zwischenfazit fällt gemischt aus. Die Beschreibung der Treffer im zweizeiligen Kurztext sei etwa bei Google am besten. Dagegen hat der Marktführer nach Lewandowskis Beobachtungen oft damit Probleme, Ergebnisse nach der Sprache zu sortieren - hier schneidet Yahoo! besser ab. Bei der Auswahl von Dokumenten aus einem bestimmten Zeitraum schleichen sich bei allen Anbietern noch etliche Fehler ein.

Doch es kommt nicht nur auf die Technologie an, sondern auch auf Benutzerfreundlichkeit und -führung an. «Die meisten Nutzer wissen nicht, wie man die Suchmaschine richtig bedient», sagt Lewandowski. Um so wichtiger sei daher, dass beispielsweise bei der Eingabe sinnvolle Vorschläge erscheinen, um die Suche zu präzisieren. Die großen Drei - Google, Yahoo! und Microsofts Live.com - haben bereits so etwas im Angebot oder testen es zumindest.

Bei Datenschützern schneiden die großen Drei gleich schlecht ab: Sie speichern IP-Adresse und Suchanfrage aller Nutzer drei bis neun Monate und werten die Anfragen aus - wenn auch auf anonymer Basis, wie sie betonen. Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, empfiehlt daher ixquick: Die Meta-Suchmaschine löscht benutzerspezifische Daten nach 48 Stunden und hat dafür das europäische Datenschutz-Gütesiegel erhalten.

Auch wenn endgültige Vergleiche noch ausstehen, zieht Such-Experte Lewandowski ein erstes Fazit: «Google und Yahoo! liefern die besten Ergebnisse.» Der Unterschied zwischen diesen beiden sei so gering, dass es der Nutzer kaum merke. Microsofts Live.com liege meist etwas hinter dieser Spitzengruppe. Auf jedem Fall sei es lohnenswert, die Anfrage in mehrere Suchmaschinen einzugeben: «Die Überschneidungen in den Ergebnislisten sind erstaunlich gering.» Jenseits bekannter Wege könnten Internet-Reisende manchen unbekannten Stern entdecken.

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