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Weiße und graue Flecken - Breitband ist ausbaufähig

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Breitband
Wenig weiße Flecken: Nach Definition des Wirtschaftsministeriums haben die meisten Deutschen Zugang zum schnellen Internet. (Bild: dpa)

am 12.12.2008 | Von Heike Sonnberger, dpa

Hamburg (dpa) - Bürgermeister Klaus Stalter ist zufrieden. Bald haben alle Einwohner der 14 südpfälzischen Ortsgemeinden in seiner Obhut Zugang zu einer schnellen Internetverbindung.

Vor allem der Besitzer einer großen Hotelanlage und die Kleinunternehmer der zwei Gemeinden Leinsweiler und Eschbach hätten erfolgreich Druck auf die Telekom gemacht. «Es ist unverzichtbar, dass wir ein flächendeckendes Netz bekommen», sagt Stalter. Davon ist man in der Bundesrepublik aber an vielen Orten deutlich weiter entfernt als in der Pfalz.

Nach Definition des Wirtschaftsministeriums gibt es in Deutschland nur noch ganz wenige weiße Flecken in der Breitbandversorgung. Unter zwei Prozent aller deutschen Haushalte und rund 600 Gemeinden hätten so gesehen noch keinen Zugang zum schnellen Internet. Besonders viele davon liegen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland- Pfalz.

Was «schnell» ist, ist allerdings umstritten: Für die Regierung beginnt Breitband derzeit bei Übertragungsraten von 384 Kilobit pro Sekunde. «Damit können Sie aber noch nicht übers Internet telefonieren, paralleles Downloaden funktioniert auch nicht und Internetfernsehen schon gar nicht», moniert Klaus Landefeld vom Verband der deutschen Internetwirtschaft eco.

Hebt man die Definition auf zwei Megabit pro Sekunde an, gelten nur noch rund 70 Prozent aller Haushalte als «versorgt». «Nicht die weißen Flecken sind das größte Problem, sondern die grauen Flecken», sagt Landefeld. Die Investitionen von Telekom, Bund und Ländern reichten bei weitem nicht aus, um alle Bürger anständig zu vernetzen.

Seit 2007 hat die Telekom 300 Millionen Euro in den Ausbau des DSL-Netzes gesteckt, ein Drittel davon in die Erschließung ländlicher Gebiete. Die EU-Kommission hat Deutschland für die kommenden Jahre außerdem Beihilfen zur Förderung der Breitbandversorgung auf dem Land in Höhe von insgesamt 186 Millionen Euro genehmigt.

Je abgelegener eine Gegend liegt, desto teurer ist der Internetanschluss. «Drei Familien auf einer Hallig zu vernetzen, das rechnet sich in den nächsten 100 Jahren nicht», sagt Telekom-Sprecher Ralf Sauerzapf. Einen Kilometer Kabel zu verlegen, koste mindestens 50 000 Euro.

Häufig werden deshalb auch die Kommunen zur Kasse gebeten. Doch die sträuben sich. Die Bürger von Waldstetten in Baden-Württemberg greifen nun sogar ehrenamtlich zur Schaufel, damit das 600-Einwohner- Dorf endlich in den Genuss des schnellen Netzes kommt. «Uns lag ein Kostenvoranschlag der Telekom vor», sagt Ortsvorsteher Helmut Hartmann. «Danach hätten wir 200 000 Euro für den Anschluss unseres Dorfes an die nächstgelegene Glasfaserleitung bezahlen müssen.»

Viele Orte liegen zu weit von den Vermittlungsstellen und Sendemasten entfernt, um eine stabile Verbindung per Kupferkabel oder Funk aufzubauen. Nun geht es darum, diese Lücken zu schließen. Eine Möglichkeit: Die Anbieter wollen künftig Rundfunkfrequenzen fürs Internet nutzen, die mit der Umstellung von der analogen auf die digitale Technik überflüssig geworden sind. Dem Plan müssen die Länder jedoch noch zustimmen. Auch einige Fernsehsender haben Bedenken geäußert.

Dass jeder Bürger sogar mit seinem eigenen Glasfaserkabel surfen kann, ist noch ein ferner Traum. Denn nur ein Prozent der Haushalte haben derzeit nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) einen direkten Glasfaseranschluss. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey vom Mai dieses Jahres wären mindestens 40 Milliarden Euro an weiteren Investitionen nötig, um in den Löwenanteil der Haushalte einen Glasfaseranschluss zu legen. Der wäre dann allerdings fantastisch schnell - denn per Glasfaser lassen sich Datenmengen von 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) übertragen.

Damit das passiert, ist aber nicht nur viel Geld nötig, sondern auch eine bessere Abstimmung. So könnten erhebliche Kosten eingespart werden, wenn die Kommunen bei jedem Bauprojekt einen Satz leere Rohre mitverlegen würden, durch die ein Anbieter später Glasfaserkabel ziehen könnte. «Seit den 90ern wurde das verschlafen», kritisiert Landefeld.

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