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Polaroid-Bilder: Eine Fotografie-Sensation ist am Ende

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Polaroid-Kameras
Nachdem die Kameras aus den Geschäften verschwunden sind, sollen auch die passenden Polaroid-Sofortbildfilme nur noch bis zum Ende des Jahr zu haben sein. (Bild: dpa)

am 26.11.2008 | Von Michael Kieffer, dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Die Technik passt nicht mehr in die Zeit. Und trotzdem sind nicht nur Nostalgiker traurig, dass die Ära des Polaroid-Sofortbilds bald endgültig endet.

Nachdem die Fotoapparate schon seit langem aus den Vitrinen der Geschäfte verschwunden sind, sollen nun auch die dazugehörigen Polaroid- Sofortbildfilme nur noch bis zum nächsten Jahr zu haben sein. Dann werden digitale Methoden wohl endgültig eine Technik verdrängt haben, die vor genau 60 Jahren - am 26. November 1948 - die Fotografie revolutionierte.

Das Quengeln eines Mädchens führte zu einer sensationellen Erfindung. Die Polaroid-Kamera wurde konstruiert, weil die Tochter eines Physikers nicht mehr abwarten wollte, bis Schnappschüsse aus dem Urlaub im Fotolabor entwickelt waren. Die Idee, Aufnahmen kurz nach dem Fotografieren anschauen zu können, ließ den Amerikaner Edwin Land nach dem Urlaub mit seiner Tochter im Jahr 1944 nicht mehr los. Land, der Polaroid sieben Jahre zuvor als Firma der optischen Industrie gegründet hatte, tüftelte an einer Sofortbild-Kamera bis das Modell 95 am 26. November 1948 zum Preis von 89,75 Dollar erstmals über die Ladentheke ging.

Es folgte ein Siegeszug des Sofortbilds. Spätestens seit dem Verkaufsstart der SX-70 im Jahr 1972 galt Polaroid als «hip», als extrem angesagt. Wer auf der Höhe der Zeit sein wollte, legte sich die zusammenklappbare Kamera im Taschenbuchformat zu. Mitte der 70er Jahre hatte Polaroid mehr als sechs Millionen Fotoapparate verkauft. Schauspieler warben für die Marke - in Deutschland Hansjörg Felmy, der als Kommissar Haferkamp im WDR-«Tatort» ermittelte.

Polizisten im wirklichen Leben geraten heute weniger ins Schwärmen, wenn sie an ihre Arbeit mit Polaroid-Kameras zurückdenken. Mangelnde Bildqualität und die fehlende Detailtreue seien die größten Schwächen von Polaroid für den Erkennungsdienst gewesen, heißt es bei der Polizei. Ein weiterer Nachteil: Polaroid-Fotos lassen sich nicht vervielfältigen - es sei denn, sie werden abfotografiert oder eingescannt.

Bei der «Kamera mit eingebautem Labor», wie Fans die Polaroid-Apparate nennen, werden die Fotos durch zwei Walzen geschoben. Dabei verteilt sich eine Entwicklungspaste zwischen Ober- und Unterseite der Polaroid-Fotos, also zwischen Positiv und Negativ. Nicht die Fotoapparate, sondern die Filme waren daher die eigentliche Neuerung.

Um sichtbar zu werden, brauchen die «Polas» bis zu 90 Sekunden. Während dieser Zeit lassen sie sich durch den Einfluss von Wärme und Kälte oder durch Druck verändern. Auch deshalb entdeckten Künstler Polaroids als ihr neues Medium. Bereits mit der Markteinführung der ersten Sofortbild-Kamera stellte Firmengründer Land den mit Landschaftsfotos berühmt gewordenen Künstler Ansel Adams als Berater ein.

«Die Schwächen von Polaroid sind mein Ansatzpunkt», sagt der in Frankfurt lebende Foto-Künstler Markus Elsner. Bei diffusem Licht entstehe eine bizarre Stimmung, weil die Kamera mit den Farben nichts anzufangen wisse. Das mache sich dann mit einem vorher schwer kalkulierbaren Blau-, Grün- oder Gelb-Stich bemerkbar. «Die Bilder sind absolute Unikate», schwärmt Elsner.

Auch nachdem am 17. Juni 2008 die Produktion des letzten Polaroid-Films T600 im niederländischen Werk Enschede eingestellt wurde, verliert der Künstler nicht den Glauben an die alte Technik. «Vielleicht findet sich jemand, der das Polaroid-Patent aufkauft und wieder produziert.» Doch erst einmal rechnet Elsner damit, dass der Handel an der Preisschraube drehen wird.

Die Befürchtungen bestätigt der Geschäftsführer eines großen Frankfurter Fotogeschäfts. Vor Verkaufsende der Polaroid-Typen Planfilm 54 und 59 seien die Preise um 50 Prozent gestiegen. Ein billiges Vergnügen war die Sofortbild-Fotografie nie. Heute kostet eine Kassette mit zehn Fotos des Typs «Image» mehr als 20 Euro. Das ist ungefähr das Zwanzigfache der Kosten für die Entwicklung von Digitalfotos.

Die Manager von Polaroid sprechen lieber von der Zukunft als von der Vergangenheit, wozu die Firmenpleite im Jahr 2001 gehört. Die Sofortbild-Technologie werde für das digitale Zeitalter weiterentwickelt, heißt es vom Deutschland-Chef Horst Nikolaus. Seit Juli 2008 ist ein Drucker namens «PoGo» erhältlich, der laut Polaroid in jede Hosentasche passt. Die Idee dahinter lautet, Schnappschüsse von Handys und Digitalkameras ausdrucken zu können - überall und sofort.

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