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PC-Sucht: Wenn die virtuelle Welt das Leben bestimmt

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Computer- und Internetsucht
Wenn das Leben der Kinder vom Computer bestimmt wird, sollten Eltern sich professionellen Beistand suchen. (Bild: dpa)

am 10.11.2008 | Von Alexandra Balzer, dpa

Köln/Berlin (dpa) - Abtauchen in eine Welt, in der sich alles so abspielt, wie es per Klick gewünscht wird. Eine Welt, die über alle Grenzen hinweg Freunde schafft und dennoch anonymer nicht sein könnte.

Der Eintritt in die virtuelle Welt eines Online-Spiels ist für viele Kinder und Jugendliche heute Teil ihres realen Lebens. Doch wenn der Spieler den Bezug zur Realität verliert, droht Gefahr: «In Korea hat es schon Todesfälle gegeben», sagt Chantal Mörsen von der Arbeitsgruppe Spielsucht an der Berliner Charité.

Besonders Online-Rollenspiele, in denen der Gamer einen Charakter aufbaut und seinen Wünschen entsprechend weiterentwickelt, fesseln nach Meinung der Psychologin den Nutzer. Dazu kommt, dass sich die virtuelle Welt weiterdreht, auch wenn der Gamer nicht dabei ist. Der Spieler hat das Gefühl, er könnte etwas verpassen. Studien belegen, dass zehn von hundert Jugendlichen, die in diesem Genre Unterhaltung suchen, ein riskantes Spielverhalten an den Tag legen. Fünf davon sind spielsüchtig. «Sie bleiben in der eigenen Entwicklung stecken, während sich der Spiel-Charakter weiterentwickelt», sagt Mörsen.

«Das gesamte Leben wird dem Spiel untergeordnet», so die Psychologin. Soziale Kontakte werden aufgegeben. Der Süchtige lässt Ausbildung oder Schule schleifen, Schlaf rückt in den Hintergrund. «Sie vergessen zu essen und zu trinken», sagt Mörsen. Und so kam es auch zu den Todesfällen in Korea, wo das Computer- und Online-Spielen einen weitaus höheren Stellenwert einnimmt als in Deutschland: «Sie haben gespielt, bis sie durch Dehydrierung gestorben sind.» Anna Kreft von der Fachstelle für Suchtprävention der Drogenhilfe in Köln weiß von verzweifelten Eltern zu berichten, deren suchtkranke Kinder «nicht mehr zu Toilette gehen, sondern selbst das am PC erledigen».

Die Suchthilfe in Köln hat es bei ihrer Beratung vor allem mit hilflosen Eltern zu tun. Viele von ihnen wissen nicht mehr weiter, «haben Angst vor den Reaktionen ihrer Kinder, wenn sie den Stecker ziehen», sagt Kreft. Seminare helfen Eltern mit der Situation umzugehen. Auch für die Suchtkranken gibt es Hilfe: In diesem Frühjahr nahm in Mainz die bundesweit erste Spielsucht-Ambulanz ihre Arbeit auf. Ziel ist es, Süchtige aus der virtuellen Welt zurück ins wirkliche Leben zu holen. «In den ersten drei bis vier Monaten gab es einen ungeheuren Ansturm von Patienten», sagt Psychologin Mörsen. «Pro Monat gab es 50 Behandlungsanfragen.»

Die Therapie ist kostenlos und erstreckt sich über 25 Wochen, in denen Gruppen- und Einzelsitzungen stattfinden. Wichtigster Schritt: Der Spieler muss seinen Account, die Tür zur virtuellen Welt, abmelden. Hat der Süchtige ein Jahr lang auf sein virtuelles Leben verzichtet, war die Therapie erfolgreich. Dann hat er seinen Zwang besiegt, gelernt Gefühle auszuleben und Alternativen gefunden, die ihm Spaß machen. Doch in Krisensituationen bleibt er, wie alle Suchtkranken, sein Leben lang gefährdet.

Einen Maßstab nach Spielstunden zu setzen, ob ein Jugendlicher süchtig ist nach Online-Spielen, sei schwer, sagt Kreft. Denn nur selten ist ein Vielspieler auch spielsüchtig. «Kleinere Entgleisungen bei neuen Spielen sind unbedenklich», sagt Mörsen. Gerade neu veröffentlichte Spiele verleiten dazu, sich länger damit zu beschäftigen - sie machen einfach Spaß. Und nach Meinung der Psychologin kommt es auch auf die Art des Spiel an: «Andere Spiele haben eine natürliche Begrenzung.» Sie haben irgendwann ein Ende.

Beratungshotline der Mainzer Suchtambulanz: 0800/1 52 95 29

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