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«GoodGaze»: Die Suche nach der perfekten Webseite

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«GoodGaze»: Die Suche nach der perfekten Webseite IT-News-World.de 0 5 2
Projekt «GoodGaze»
Student Niklas Wilming sitzt in einem Labor der Fachhochschule Osnabrück und blickt mit einem sogenannten Eyetracker auf eine Webseite. (Bild: dpa)

am 29.10.2008 | Von Elmar Stephan, dpa

Osnabrück (dpa) - Niklas Wilming sitzt vor einem Monitor und hat eine Maske mit Spezialkameras auf dem Kopf. Langsam klickt sich der Student durch allerlei Internetseiten: Zeitungsseiten, den Web-Auftritt eines Herstellers von Zigarettenblättchen, die Seite eines Autoproduzenten.

Die Augen wandern über den Bildschirm, und diese Augenbewegung wird von den Hochgeschwindigkeitskameras erfasst und anschließend von einem Rechenprogramm verarbeitet. In diesem abgedunkelten Raum der Universität Osnabrück ist das Team um Kognitionswissenschaftler Peter König auf der Suche nach der perfekt gestalteten Webseite.

«GoodGaze» heißt das Projekt, das sich im Augenblick noch im Erprobungsstadium befindet. Zahlreiche Seitenanbieter haben sich aber bereits gemeldet, um ihre Internet-Auftritte von den Wissenschaftlern überprüfen zu lassen. «Einfache Kochrezepte, wie eine Seite aussehen muss, gibt es nicht», sagt König. Zwar liegen die meisten heute schon verfügbaren Ratgeber zur Internetseitengestaltung mit ihren Tipps nicht ganz falsch, betont der Wissenschaftler. Aber die Qualität einer wissenschaftlich gesicherten Theorie böten sie nicht.

«Bei der Auswahl der Seiten haben wir auf relativ unbekannte Webangebote geachtet», sagt Mitstudent Torsten Belz. «Wir mussten schließlich sicher gehen, dass die Leute die Seiten noch nicht kennen», ergänzt Tim Kietzmann. Das GoodGaze-Aufmerksamkeitsmodell basiere auf Messungen von mehr als 300 Versuchspersonen und werde ständig um neue Daten erweitert, sagen die Wissenschaftler. In der aktuellen Versuchsreihe haben sich 21 Probanden inzwischen mehrere hundert Seiten angeschaut. Dabei seien gezielt Farben geändert worden, Kontraste verändert oder Bilder bearbeitet worden, um die Reaktion der Probanden auf die Seiten zu testen. Mit Hochgeschwindigkeitskameras werden die Augenbewegungen gemessen, aus denen dann auf die Aufmerksamkeit geschlossen werden kann, mit der die Webseite beobachtet wird.

Zu der Frage, wie gute Webseiten aussehen sollen, gebe es zwar schon Lehrbücher, aber letztlich basierten deren Ratschläge ausschließlich auf der Intuition der Designer. Das in Osnabrück entwickelte Computermodell beruhe auf einer empirischen Analyse der Betrachtung von Webseiten, betont König. «Der Vorteil ist, dass wir das Design schon zu einem frühen Entstehungszeitpunkt berechnen lassen können.» Letztlich ließen sich die Entwicklungszeiten von Webseiten verringern, da mit dem Rechenmodell schon direkt nach der Gestaltung ganz ohne Proband die Aufmerksamkeitswirkung der Seite getestet werden könne. Das von seinem Team entwickelte Rechenverfahren sei ein «Computermodell menschlicher Aufmerksamkeit», sagt König.

So schön gut gestaltete Internetseiten auch sind - das «GoodGaze»-Projekt ist eigentlich nur das Nebenprodukt eines viel grundsätzlicheren Forschungsinteresse. «Wir wollen wissen, wie das Denken funktioniert», sagt König. «Grundfalsch» sei die Auffassung, dass unser Bewusstsein die Welt um uns herum einfach nur abbilde. «Das löst das Problem, wie wir handeln, noch nicht», sagt König. «Wir sehen die Welt so, wie wir sie sehen wollen.» Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie ein Mensch auf eine Internetseite reagiere, habe gezeigt, dass es sich um ein Wechselspiel handele. Unsere Wahrnehmung richtet sich danach, was wir von der Welt wissen. Je mehr wir von der Welt lernen, desto mehr nehmen wir auch wahr. Mit solchen Erkenntnissen leistet das Forschungsprojekt auch Beiträge im Grenzbereich zwischen Philosophie und Kognitionswissenschaft.

König ist optimistisch, dass das Projekt bei vielen Unternehmen auf Interesse stoßen wird. Schon in der Testphase hätten sich viele Interessenten gemeldet und arbeiten nun regelmäßig damit.

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