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Online-Sportwetten - Freizeitspaß in der Grauzone

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Online-Sportwetten
Rund eine halbe Million Deutsche wetten im Internet auf Sportereignisse - die meisten tippen Fußballergebnisse. (Bild: Wenda/dpa/tmn)

am 29.10.2008 | Von Berti Kolbow, dpa

Berlin/München (dpa/tmn) - Sportwetten im Internet sind populär. Viele Deutsche tippen online auf den Ausgang von Fußballspielen und andere Ergebnisse. Doch aus juristischer Sicht ist das problematisch, denn die Legalität von Glücksspielen im Web ist umstritten.

Ärger droht Wett-Teilnehmern vorerst allerdings nicht. «Wenn das Wettangebot nicht genehmigt ist, machen sich Teilnehmer prinzipiell strafbar», sagt Martin Jaschinski, Rechtsanwalt und Glücksspielrecht-Experte aus Berlin. In Deutschland verbietet seit Anfang 2008 der «Glücksspielstaatsvertrag» sämtliche Sportwetten im Internet - wegen des von Fachleuten gesehenen Suchpotenzials.

Nach europäischem Recht ist das umstritten. Deshalb wehren sich private Buchmacher dagegen - und sind im kaum kontrollierbaren Netz vorerst weiter erreichbar. Deutsche Kunden mussten bisher nicht mit Konsequenzen rechnen: «In der Praxis wird nur gegen die Anbieter und nicht gegen die Kunden vorgegangen», betont Martin Jaschinski.

Allein der staatliche Betreiber Oddset hat sein Onlineangebot für Sportwetten eingestellt. «Die Internetseite dient weiterhin zur Information der Kunden, das Wetten selbst ist aber nur in den Annahmestellen möglich», erklärt Thomas Spöring, Sprecher der Lotto-Gesellschaft Bayern in München, die Oddset federführend betreibt.

Darüber hinaus ist von dem Verbot im Grunde nichts zu spüren. Rund eine halbe Million Deutsche wetten online auf Sportereignisse, ergab eine im Juni veröffentlichte Forsa-Studie für den IT-Verband BITKOM. Fußball ist das überragende Thema. Zu den größten privaten Internet-Buchmachern zählen bwin, Sportwetten Gera, digibet und Interwetten. Den Anspruch, ihr Onlinegeschäft weiterzuführen, machen sie aufgrund von Lizenzen geltend, die noch zu DDR-Zeiten vergeben wurden.

Wo diese genau gültig sind, ist aber unklar. Denn dazu existieren widersprüchliche Gerichtsurteile. Wegen einer juristischen Auflage versieht bwin seine Internet-Werbebanner mit dem Hinweis, dass die «Wettabgabe derzeit nur in der ehemaligen DDR» möglich sei. Doch das beziehe sich auf den Aufenthaltsort des Teilnehmers, der praktisch nicht überprüfbar sei, so ein Sprecher des Unternehmens.

Staatliche Lottogesellschaften und die privaten Betreiber streiten seit langem darum, wer in Deutschland Sportwetten anbieten darf - im Grunde ein Scheingefecht. Denn viele Online-Buchmacher arbeiten vom europäischen Ausland oder von Übersee aus und sind kaum zu regulieren.

In anderen Ländern würden Sportwetten teilweise deutlich weniger restriktiv gehandhabt, sagt Andreas Ullmann vom Beratungsunternehmen Sport+Markt in Köln. Zumindest keine unüberwindbare Technik-Hürde hindere Interessierte daran, bei internationalen Internet-Buchmachern zu setzen.

Experte Jaschinski rät Verbrauchern, die nicht auf Sportwetten im Netz verzichten wollen, sich an die etablierten Buchmacher zu halten. «Sie leben von ihrem guten Ruf, und geschäftsschädigendes Verhalten ist unwahrscheinlicher.» Denn wie in prinzipiell jeder Branche sei nicht auszuschließen, dass schwarze Schafe existieren, die ihre Kunden etwa um Gewinne prellen. Rechtsansprüche durchzusetzen, sei bei den Anbietern mit Sitz in ausländischen Steueroasen schwierig.

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