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Mikro-Blogging erobert die virtuellen Weiten

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Mikro-Blogging
Fasse dich kurz: Die Meldungen, die beim Mikro-Blogging verschickt werden, haben etwa den Umfang einer gewöhnlichen SMS. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

am 15.10.2008 | Von Berti Kolbow, dpa

München/Hannover (dpa/tmn) - Das eigene Leben in aller Offenheit im Internet zu präsentieren, liegt im Trend. Mikro-Blogging heißt eine junge Form von Online-Kurznachrichten, die besonders gut dazu geeignet ist, andere Menschen permanent am eigenen Alltag teilhaben zu lassen.

Experten trauen dieser Art des Austauschs zu, bald selbst-verständlicher Bestandteil der digitalen Kommunikation zu werden. Mikro-Blogging vereint Eigenschaften aus verschiedenen Welten der Kommunikation: Wie bei den herkömmlichen, Weblogs oder kurz Blogs genannten, Online-Tagebüchern erstellen sich mitteilungsbedürftige Internetnutzer eigene Profilseiten bei einem Blog-Dienst und veröffentlichen darauf Kurzbeiträge. Deren Umfang ist meist auf nicht viel mehr als 140 Anschläge beschränkt und damit geringer als der einer Standard-SMS.

Um die Mitteilungen zu verfassen und zu lesen, muss nicht zwingend die Profilseite im Browser aufgerufen werden: Das Senden und Empfangen funktioniert auch per Instant Messenger, per SMS, E-Mail oder über spezielle Mikro-Blogging-Software für den Computer - je nachdem, welche Verbreitungskanäle der jeweilige Dienst unterstützt.

Der bekannteste Dienst stammt aus den USA und heißt Twitter. Das bedeutet so viel wie «Geschnatter» oder «Gezwitscher». Vor knapp zwei Jahren gestartet, will er Familienangehörigen, Freunden und Kollegen ermöglichen, sich gegenseitig jederzeit die Frage «Was machst du gerade?» zu beantworten. Der Absender entscheidet dabei, ob nur bestimmte Adressaten seine Kurznachrichten - Tweet genannt - lesen dürfen oder aber alle Nutzer des Dienstes, die das wollen.

Wer genügend Tweets abonniert, hat Zugriff auf einen permanenten Nachrichtenstrom und kann in das Leben anderer regelrecht eintauchen. «Mikro-Blogging ist wie ein dauerhaftes Flurgespräch, bei dem es ständig etwas Neues zu erfahren gibt und in das man sich beliebig ein- und ausklinken kann», erklärt Benedikt Köhler, Sozialwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München, der sich mit soziologischen Internetphänomenen befasst.

Außerdem müsse sich der Nutzer interessante Neuigkeiten nicht erst besorgen wie bei herkömmlichen Blogs: Einmal abonniert, kommen sie von selbst zum Empfänger. Das mache ebenfalls den Reiz dieser neuen Kommunikationsform aus, erklärt Köhler. «Mikro-Blogging-Einträge sind schnell verfasst, wegen der Zeichenbegrenzung überschaubar - und wie beim Chatten kann man unmittelbar antworten und gleichzeitig mit mehreren Gesprächspartnern kommunizieren», nennt Henning Behme vom IT-Magazin «iX» weitere Vorzüge.

Nach dem Vorbild von Twitter ist inzwischen eine Reihe weiterer englischsprachiger Mikro-Blogging-Dienste entstanden: Pownce, Jaiku oder auch Friendfeed. Auch in Deutschland gibt es Nachahmer: Frazr, Wamadu und Niimo sind nur drei von einem ganzen Schwung. Sie locken jeweils mit zusätzlichen Funktionen. Selbst populäre Sozialnetzwerke wie Facebook, Myspace und Xing haben das Prinzip mittlerweile übernommen und bieten Mitgliedern die Möglichkeit, Statusmeldungen zu erstellen.

Platzhirsch ist jedoch nach wie vor der Pionier: «Twitter nimmt eine Vorreiterrolle beim Mikro-Blogging ein und hat durchaus das Potenzial, der neue digitale Kommunikationsdienst der nächsten Jahre zu werden», urteilt IT-Experte Henning Behme. «Dann könnte es sein, dass 'twittern' ähnlich wie 'googeln' in den Duden Eingang findet.»

Benedikt Köhlers Einschätzung zufolge ist das «Twittern» bislang vor allem unter besonders internetaffinen Zeitgenossen verbreitet. Die Popularität der kurzen Mitteilungen dürfte aber auch über diese Gruppe hinaus deutlich zunehmen, schätzt der Sozialwissenschaftler. Von einem neuen Massenmedium sprechen, möchte Köhler jedoch nicht. Mikro-Blogging werde für sich genommen eher eine Nische bleiben und andere Kommunikationswege ergänzen.

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