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Experte: Netz wird klassische Medien nie ersetzen

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Joichi Ito
Der Internet-Investor und Blogger Joichi Ito leitet ein Symposium beim Medienkunstfestival Ars Electronica im österreichischen Linz. (Bild: dpa)

am 08.09.2008

Linz (dpa) - Das Internet wird nach Expertenmeinung auch in Zukunft klassische Medien wie Bücher und CDs nicht ersetzen. «Digitale Daten werden so billig werden, dass Fans etwas Exklusiveres, Authentischeres wollen», sagte der Internet-Investor und Blogger Joichi Ito.

Der US-Amerikaner japanischer Abstammung ist Vorstandsvorsitzender von Creative Commons, einem alternativen Lizenzsystem für geistiges Eigentum in Abgrenzung zum bisherigen Copyright. Ito hat zahlreiche Internet-Firmen wie Infoseek Japan und Flickr mitaufgebaut und gilt als einer der einflussreichsten Experten für die virtuelle Welt. Momentan leitet er ein Symposium bei dem Medienkunstfestival Ars Electronica (4. bis 9. September) im österreichischen Linz zum Thema «A new cultural economy - Wenn Eigentum an seine Grenzen stößt».

Während es Taschenbücher und Billig-CDs nach Meinung Itos in Konkurrenz zu Downloads aus dem Netz in Zukunft schwer haben werden, steige die Nachfrage nach Qualitätsmedien. «Im digitalen Zeitalter wird die physische Welt immer wichtiger, die Menschen wollen etwas in der Hand haben», sagte er. Als Beispiel nennt der Internet-Experte die Rockband Nine Inch Nails, die ihr neues Album zum kostenlosen Herunterladen ins Internet stellte und dennoch mit einer limitierten CD-Box und einer DVD zur Tour Rekordumsätze machte.

Mit seiner kostenfreien Lizenz Creative Commons versucht Ito, eine Alternative zum rigiden und teuren Urheberrecht zu bieten. Damit können Menschen ihr geistiges Eigentum anderen kostenlos zur Verfügung stellen, aber selbst regeln, wie es genutzt werden darf. «Es wird weiterhin einen Markt für geistiges Eigentum geben, die Unternehmen müssen nur etwas kreativer mit ihrer Business-Idee werden», erklärte er.

Generell wendet sich Ito gegen die landläufige Meinung, das Internet als Bedrohung für die allgemeine Sicherheit zu sehen. «Es hat ein ungeheures kreatives Potenzial», sagte er. Nie zuvor hätten so viele Menschen mit so einfachen, kostengünstigen Mitteln ihre Ideen ausleben und veröffentlichen können. «Wenn etwas im Internet erscheint, kann es unglaublich schnell in viele Sprachen übersetzt und weltweit veröffentlicht werden.» Unterdrückten Minderheiten und den Opfern von Diktaturen verleihe es eine Stimme, die international gehört werden könne.

Trotz der Debatten um die Verbreitung von Kinderpornografie und Terrorismus im Netz ist Ito deshalb gegen jegliche staatliche Zensur oder Datenüberwachung. «Das Internet muss in den Händen der Bürger bleiben, sonst wird es zerstört.» Er glaube an ein biologisches Modell, nach dem die Nutzer ihre Feinde selbst bekämpfen - wie bei einem Baby, dessen Immunsystem gegen Viren und Bakterien kämpfen müsse, um mit dem Alter immer resistenter zu werden. Auch das noch relativ junge Internet wird sich nach der Überzeugung Itos selbst regulieren und mit der Zeit immer besser werden: «Momentan ist es erst ein Teenager und hat gerade Windpocken bekommen.»

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