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Kundenbewertungen im Netz nicht blind vertrauen

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Kundenbewertungen im Netz
Bewertungsportale können nützlich sein. Aber wer eine Anschaffung plant, verlässt sich besser nicht ausschließlich auf sie. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

am 27.08.2008 | Von Berti Kolbow, dpa

München/Hamburg (dpa/tmn) - Erst gucken, dann kaufen: Vor größeren Anschaffungen lesen sich viele Verbraucher im Netz schlau. Beliebte Anlaufstellen sind Portale, auf denen andere Kunden ihre Erfahrungen hinterlassen - mit dem Toaster ebenso wie bei der Urlaubsreise.

Dass sich dahinter Schleichwerbung von Unternehmen verbergen könnte, wissen viele. Dennoch ist das Vertrauen groß. Experten raten aber zu einer gesunden Portion Skepsis. Portale, Foren und Blogs mit Produktbewertungen spielen sogar eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Das ergab eine Umfrage der Marktforscher von Consline aus München. Die Hälfte der Befragten recherchiert zweimal pro Monat oder häufiger online. Professionelle Testberichte, Händlerinfos und Tipps von Freunden spielen demnach dagegen eine untergeordnete Rolle.

Doch in der Schnäppchenjäger-Brust schlagen offenbar zwei Herzen: Obwohl mehr als 40 Prozent die Produkt- und Hotelbewertungen anderer Nutzer für glaubwürdig halten, finden fast zwei Drittel auch, dass der Wahrheitsgehalt sich schwer überprüfen lässt. Das ergab eine weitere Studie der Marktforscher von Fittkau und Maaß aus Hamburg.

Wie viele der Urteile im Web 2.0 nicht koscher sind, weiß niemand. «Das lässt sich schlichtweg nicht seriös überprüfen», sagt Sascha Langner, Marketingforscher an der Universität Hannover. «Doch viele Hersteller nutzen das.» Es gebe dafür sogar spezialisierte Agenturen.

«Je größer die Anonymität, desto anfälliger ist die Quelle für Manipulationen», sagt Langner. Eine Nutzer-Identität ist schnell verschleiert, wenn zum Anmelden eine beliebige Mail-Adresse reicht. Sicherer sind Webseiten mit «Reputationsmanagement». Dort können Nutzer sich Profile anlegen. Andere Teilnehmer können abstimmen, ob sie die Erfahrungsberichte hilfreich fanden. Und wer viel über sich preisgibt und Nützliches schreibt, gilt als vertrauenswürdiger.

Viele Internetnutzer, die Erfahrungsberichte suchen, wissen das anscheinend auch. Entsprechend haben Bewertungsportale für Waren und Dienstleistungen, die auf Online-Gemeinschaften setzen, laut Consline die bei weitem größte Bedeutung. Einschlägige Adressen sind «ciao.de», «doyoo.de», «idealo.de» oder «qype.de».

«Missbrauch kann man generell nie ganz ausschließen, er setzt aber eine gehörige Menge krimineller Energie voraus», so Stephan Musikant von Ciao. Dort landen gut bewertete Berichte von Mitgliedern, die schon länger dabei sind, weit oben in der Trefferliste. Zudem ziehe eine Redaktion Stichproben, unterstützt durch Mitglieder. «Erfahrene Nutzer erkennen den Marketing-Jargon und melden verdächtige Texte.»

Doch für clevere Werber sei das keine Hürde, warnt Langner: «Heute bauen Agenturmitarbeiter in mühevoller Kleinarbeit mehrere falsche Identitäten auf.» Trotzdem dürfte dem Experten zufolge insgesamt nur eine Minderheit der Berichte gefälscht sein. «Die Masse der Konsumenten können einige Schleichwerber einfach nicht übertreffen.»

«Ausführliche Bewertungen mit Pro- und Contra-Aspekten sprechen dafür, dass sich echte Käufer mit dem Produkt beschäftigt haben», sagt Jo Bager von der Zeitschrift «c't» in Hannover. Verdächtig seien dagegen euphorische Einträge nach einer Reihe von Verrissen.

Laut Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz können Meinungsportale nützlich sein, da dort mitunter Aspekte bewertet werden, die Profi-Tester nicht berücksichtigen. «Wegen der Manipulationsgefahr sollten sie aber nur Ergänzung sein.» Mehrere Meinungen aus verschiedenen Quellen mit gesundem Menschenverstand abwägen - das schütze am besten vor Fehlurteilen.

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