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Vor 25 Jahren begann das Handy seinen Siegeszug

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Handy
Klein und handlich: Heute passen Handys in die Hosentasche. Das erste seiner Art - vor 25 Jahren an den Markt gebracht - wog dagegen noch 800 Gramm. (Bild: dpa)

am 18.06.2008

Washington (dpa) - Gefunkt hat es beim Publikum nicht sofort: Das erste Handy war zu groß, zu schwer und zu teuer. Dennoch setzte Motorola mit der Markteinführung vor 25 Jahren eine Entwicklung in Gang, die die Welt verändert hat.

3500 Dollar kostete der «bimmelnde Knochen», den Motorola am 13. Juni 1983 auf den Markt brachte. Es wog mit 800 Gramm fast so viel wie eine Flasche Wasser, war länger als eine Din-A4-Seite und hatte nach einer halben Stunde Redezeit schon keinen Saft mehr. Das erste Handy, das seine Designer der Form halber auch «Stiefel-Phone» nannten, war schnell vom Markt gefegt.

«Unser Traum war es, dass eines Tages niemand mehr über ein gewöhnliches Telefon anrufen wird», erinnert sich der Erfinder des ersten tragbaren Telefons, Martin Cooper. Der damalige Motorola-Ingenieur arbeitete Anfang der 70er Jahre an einem mobilen Gerät für den Polizeifunk, als es bei ihm klingelte: «Warum nicht Mobilfunk für alle?», fragte er sich.

Ein paar Wochen später stand Cooper auf einer Straße in New York und rief mit seinem Prototypen triumphierend die Konkurrenzfirma AT&T an. Zehn Jahre dauerte es dann noch, bis das erste mobile Telefon klein genug und reif fürs Massenpublikum war. «Die Leute dachten, ich sei verrückt», sagt Cooper. «Weil ich an ein Telefon dachte, das man einfach in die Tasche stecken kann.»

Cooper steckte die Zweifler in die Tasche: Nach Statistiken des Instituts Wireless Intelligence hängen inzwischen 3,3 Milliarden Handys weltweit am Netz. Immer schneller wurden es immer mehr: Während es knapp 20 Jahre dauerte, bis die erste Milliarde verkauft war, brauchte die zweite Milliarde gerade einmal vier Jahre, die dritte sogar nur halb so lange. 80 Prozent der Weltbevölkerung hat Anschluss an ein Handynetz. Von den Küsten im Süden Indiens bis zur Spitze des Kilimandscharo - Sendemasten stehen fast überall.

«Das Handy ist revolutionär», sagt Kommunikationsforscher Scott Campbell von der Universität Michigan. «Es hat unser Sozialleben und den Arbeitsmarkt verändert. Es hat neue Kunstformen geschaffen und neue Wege zu beten aber auch, Terroranschläge auszuführen.» Das Telefonieren hat eine neue Bedeutung bekommen, sagt Campbell. «Jemand ruft nicht mehr irgendein Haus oder Büro an, sondern gezielt eine bestimmte Person.»

«Das Telefon bist jetzt Du», sagt auch der Soziologe David Hachen von der Universität Notre Dame in Indiana. «Handygespräche schmieden soziale Bande. Die Menschen reden mehr miteinander, weil sie es überall und immer tun können.» US-Amerikaner beispielsweise unterhalten sich nach Informationen des Radiosenders npr im Schnitt sieben Stunden im Monat per Handy.

In Restaurants, Theatern und Zugabteilen wird der ewig bimmelnde Kommunikations-Zwerg darum auch oft verflucht oder zum Schweigen verdammt. Je weiter seine Technik reift, umso mehr entwickeln sich auch Handybesitzer zu «Multitaskern»: Sie werden zu Hobby-Fotografen, zu Dokumentarfilmern oder zu Mitarbeitern, die jederzeit erreichbar, kontrollierbar und abrufbar sind. «Handyfotokunst ist mittlerweile eine eigene Sparte geworden, die uns Konkurrenz macht», meint auch ein Fotograf aus Washington.

Jenseits der westlichen Welt hat das Mobiltelefon die Wirtschaft besonders beflügelt. 68 Prozent aller neuen Verträge werden in Entwicklungsländern abgeschlossen. Die London Business School errechnete, dass jedes Mal dort, wo zehn zusätzliche Mobiltelefone auf 100 Menschen kommen, sich das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent steigert. Jeder ist plötzlich in der Lage, seine Dienstleistung anzubieten, weil er erreichbar ist - ganz gleich ob in Manhattan oder in einem afrikanischen Slum. Ökonomen führen zahlreiche Kleinunternehmens-Gründungen auf das Handy zurück.

In den Entwicklungsländern nutzen medizinische Organisationen das Mobiltelefon auch, um etwa Tuberkulose-Patienten an ihre Medikamente zu erinnern. Tabuthemen wie Sex und Aids können per SMS schriftlich «besprochen» werden.

Spätestens wenn das Telefon zur mobilen Krankenschwester wird, trägt es seinen Namen zu Unrecht, meint Kommunikationsforscher Hachen: «Es ist Fernseher, Tageszeitung, Faxgerät, Fotoapparat, Kreditkarte und persönlicher Manager.» Geht es nach dem Willen seines Erfinders, soll es bald noch mehr sein. Im Fernsehsender CNN warb Cooper für seinen Traum: «Das Telefon sollte irgendwann ein Teil des Menschen werden - vielleicht unter der Haut hinterm Ohr.»

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