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Zwei Studien – ein Desaster

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Zwei Studien – ein Desaster IT-News-World.de 0 5 1

am 02.12.2007 | von Alfred Krüger

Zwei neue Studien lassen aufhorchen: Die eine stammt von der US-Sicherheitsfirma Webroot und beschäftigt sich mit der Sicherheit beim Online-Shopping. Die andere wurde von Microsoft unterstützt und beleuchtet den Einsatz von Computern an deutschen Schulen. Beide Studien haben nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick wird klar: Wer den Umgang mit PC und Internet nie richtig gelernt hat, bleibt im Internet für sich und andere ein eklatantes Sicherheitsrisiko.

Ungenügend! – Setzen!
Einsatz von Computern in der Schule – Fehlanzeige. Knapp ein Drittel aller deutschen Schüler arbeitet im Unterricht gar nicht mit dem Computer. Ein weiteres Drittel sitzt im Schulunterricht weniger als zwei Stunden pro Woche vor einem Schul-PC – und das meist „nur“ im Schulfach Informatik. Recherchieren im Internet? Der richtige Umgang mit Suchmaschinen und deren Ergebnislisten? Aufklärung über Gefahren im Internet und sicheres Surfen? Kurse in Sachen Sicherheit? Nichts! Die deutschen Schulen versagen hier laut Studie offenbar auf ganzer Linie. Das jedenfalls hat eine repräsentative Umfrage unter bundesdeutschen Schülern ergeben. Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Initiative IT-Fitness durchgeführt. IT-Fitness wurde im November letzten Jahres von Microsoft-Gründer Bill Gates ins Leben gerufen.

Den Anschluss verlieren
Nach Ansicht der befragten Schüler benötigen ihre Lehrer dringend Nachhilfe in Sachen Umgang mit Computer und Internet. Nur ein Drittel aller Lehrer bekommt hier die Note „sehr gut“ oder „gut“. Zwei von drei Lehrer schneiden in der Schülerbewertung schlechter ab. „Der Umgang mit Computer und Internet im Schulunterricht ist in Deutschland leider mehr Wunsch als Wirklichkeit“, meint Achim Berg von Microsoft Deutschland. Die eindeutigen Zahlen geben ihm Recht. Berg fordert, dass der Computer im Klassenzimmer ein selbstverständliches Werkzeug werden müsse. Denn IT-Kenntnisse würden heute in fast jedem Beruf benötigt – „egal ob Bäcker, Bauer oder Banker“. „Deutschland kann es sich als eine der führenden Industrienationen nicht leisten, dass unser Nachwuchs bereits in der Schule auf breiter Basis den Anschluss verliert“ – so Berg.



Keine Ahnung in punkto Sicherheit
Auch „Sicherheitserziehung“ oder wie auch immer man die Disziplin als Schulfach nennen mag, findet in den deutschen Schulen nicht statt. Das Thema, wie man sich sicher mit dem eigenen PC im Internet bewegt, steht nicht auf dem Lehrplan. Sicherheit wird anscheinend als Privatsache gewertet. Die Kenntnisse muss sich jeder eben irgendwie selbst beibringen – mit allen Missverständnissen, falschen Verhaltensweisen und Fehleinschätzungen, die aus einem solchen Selbststudium resultieren können. Deshalb dürfen die Ergebnisse der zweiten Studie, die sich mit dem Problem des Stellenwerts von Sicherheit beim Online-Shopping beschäftigt, nicht verwundern. Sie zeugen davon, dass den meisten Surfern noch immer die grundlegenden Kenntnisse in Sachen Sicherheit fehlen.

Augen zu und durch
Die US-Sicherheitsfirma Webroot wollte es genauer wissen. Welche Vorkehrungen treffen Online-Shopper in Sachen Sicherheit? Eine interessante Frage – nicht nur zur weihnachtlichen Hoch-Zeit des Online-Shoppings. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie zeigen, wie sorglos die Mehrheit der bundesdeutschen Surfer mit dem Thema umgeht. „Fast siebzig Prozent aller Befragten äußerten keinerlei Bedenken bezüglich der Sicherheit von Online-Transaktionen“, heißt es in der Studie. Außerdem haben fast vierzig Prozent der Befragten keine Antispyware-Software zum Schutz ihrer Computer installiert. Sie werden dadurch zu einer Gefahr für sich und andere. Denn Schadprogrammverbreiter haben offenbar ein leichtes Spiel mit deutschen Nutzern. Vermutliche Ursache: Das Wissen um die Gefahren fehlt.

Learning by doing?
Hier schließt sich der Kreis. Einen Computerführerschein gibt es nicht. Er wäre möglicherweise auch nicht empfehlenswert. Aber eine Aufklärung über die Sicherheitsproblematik schon in den Schulen wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn wo sollte Internetnutzern das Wissen um die Gefahren und den richtigen Umgang mit Internet und PC sonst breitenwirksam vermittelt werden? Da nimmt es sich fast wie ein Skandal aus, dass auf dem nächsten IT-Gipfel am 10. Dezember in Hannover über alle möglichen Fragen diskutiert wird. Nur das Wichtigste bleibt vermutlich außen vor: Wie kann man es verhindern, dass zwei Drittel der deutschen Schüler niemals den richtigen Umgang mit PC und Internet von Grund auf erlernen? Privates „Learning by doing“? Die Webroot-Studie zeigt, wohin das führen kann.

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