Atari vor dem Aus
Atari vor dem Aus
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am 16.11.2007 | von Alfred Krüger
Computerspielehersteller Atari steht vor dem wirtschaftlichen Aus. Die traditionsreiche Marke, die nach etlichen Besitzerwechseln 2000 von der französischen Spielefirma Infogrames eingekauft worden war, hat seinem letzten Besitzer nur rote Zahlen beschert. Obwohl Infogrames sämtliche Computerspiele unter der Marke Atari vertrieb, kam Atari auf keinen grünen Zweig. 2006 fuhr Infogrames unter dieser Marke einen Verlust von 70 Millionen Dollar ein.
Münzautomaten von Atari
Die Firma Atari wurde 1972 von Nolan Bushnell im kalifornischen Sunnyvale gegründet. Den Namen entlehnte er dem japanischen Brettspiel Go. „Wenn man den Gegner angreift, ruft man ‚Atari’“, erklärte Bushnell später. „Ich dachte, das wäre ein guter, angriffslustiger Name für eine Firma.“ Bushnell entwickelte damals Münzautomatenspiele – mit mäßigem Erfolg. Erst das Spiel „Pong“ verhalf ihm und seiner Firma zum großen Durchbruch.
Pong
Bushnell wollte ein Spiel entwickeln, dass die Leute aus ihrem Alltag bereits kannten. „Fußball und Baseball waren zu schwierig zu programmieren“, erklärte Bushnell. „Aber dann fiel uns Ping Pong ein. Das versteht jeder, und es war auch nicht zu kompliziert zu programmieren. So entstand Pong.“
Für einen Vierteldollar
Pong wurde als reines Automatenspiel für Spielhallen, Bars und Kneipen entwickelt. Das erste Testgerät war alles andere als ein fertig durchgestyltes Gerät. Es bestand aus einem handelsüblichen Fernseher plus Bedienkonsole und wurde in einen simplen Holzkasten eingebaut. Hinzu kam ein Münzautomat. Für einen Vierteldollar sollte man Pong spielen dürfen.
10.000 verkaufte Automaten
Das Testgerät wurde ein voller Erfolg. Es dauerte nicht lange, und Atari konnte sich vor Bestellungen aus den ganzen USA nicht retten. Es dauerte nur wenige Monate, bis 10.000 Konsolen zum Stückpreis von 100 Dollar verkauft worden waren und Atari seine erste Umsatzmillion eingefahren hatte.
Siegeszug der Heimkonsole
Der eigentliche Siegeszug der Firma begann jedoch erst, als man die Pong-Konsole auch für den Gebrauch in den eigenen vier Wänden anbot. Die Konsole sollte an jeden handelsüblichen Fernseher angeschlossen werden können. Die große US-Warenhauskette Sears ließ sich von Bushnells Idee überzeugen und brachte die Konsole zu Weihnachen 1975 auf den Markt – mit sensationellem Erfolg. Alle produzierten Geräte, immerhin 150.000 Stück, wurden restlos abgesetzt.
Alles nur geklaut
Der erste Rückschlag kam, als sich herausstellte, dass sich Bushnell bei der Idee zu Pong von einem bereits existierenden Videospiel hatte inspirieren lassen. Der Fernsehtechniker Ralph Baer hatte das Spiel schon Jahre vor Bushnell entwickelt und auf Messen ausgestellt – Messen, die auch Bushnell nachweislich besucht hatte. Der Atari-Chef einigte sich daraufhin mit Baer und produzierte Pong in Lizenz.
Atari VCS 2600
Ab 1975 entwickelte Atari Spielkonsolen mit austauschbaren Spielmodulen. 1977 kam der legendäre Atari VCS 2600 auf den Markt. Die neue Konsole wurde ein weltweiter Erfolg und gilt bis heute als die erfolgreichste Videospielkonsole aller Zeiten. 30 Millionen Geräte wurden weltweit abgesetzt.
Besitzerwechsel bei Atari
Bushnells Tage bei Atari waren dennoch gezählt. Nachdem der US-Unterhaltungskonzern Warner Communications Atari für 28 Millionen gekauft hatte, überwarf sich Bushnell mit den Warner Chefs und verließ im Streit die Firma. Die Videospielindustrie galt in jenen Jahren als die Boombranche schlechthin. Ihr wurde das Potenzial zugeschrieben, womöglich größer als die US-Filmindustrie zu werden.
Ära des Heimcomputers beginnt
1982 brach der Markt für Videospiele dramatisch ein. Heimcomputer, die mehr konnten, als nur spielen, waren plötzlich angesagt und verdrängten nach und nach die Konsolen. Die Ära des Computerspiels begann. Videospiele und Konsolen waren erst einmal out.
Atari produziert Heimcomputer
Atari bescherte Warner 1982 einen Verlust von einer halben Milliarde Dollar. Warner verkaufte die Firma deshalb weiter. Neuer Besitzer wurde Jack Tramiel, der Gründer der traditionsreichen Heimcomputerfirma Commodore. Unter seiner Regie blühte Atari als Hersteller von Heimcomputern noch einmal auf. 1992 wurde dann der letzte Rechner unter diesem Markennamen produziert. Um Atari wurde es fortan still.
70 Millionen Dollar Verlust
Im Jahr 2000 gingen die Markenrechte an den französischen Spieleproduzenten Infogrames über. Das Unternehmen glaubte an den traditionsreichen Namen und verkaufte seine Spiele fortan unter der Marke Atari. Doch ein wirklicher Erfolg wollte sich offenbar nicht mehr einstellen. Im Gegenteil fuhr Atari im letzten Jahr Verluste in Höhe von 70 Millionen Dollar ein. Nun steht Atari vor dem Aus. Ein wichtiges Stück Videospielgeschichte geht damit endgültig zu Ende.
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