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Kopfgeld auf Virenschreiber ausgesetzt

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am 05.11.2003 | von ak

Im Kampf gegen Virenschreiber setzt Microsoft nun auf Wild-West-Methoden. Auf einer Pressekonferenz hat der Konzern einen Kopfgeld-Fonds für Virenbastler ins Leben gerufen. Das erste Kopfgeld wurde bereits ausgelobt: Sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Autoren des Sobig- oder Lovsan/Blaster-Wurms führen, sind dem Softwarekonzern jeweils stolze 250.000 Dollar wert.

Kaum Verhaftungen
Die Zahl der Viren, Würmer und Trojaner, die das World Wide Web mehr oder weniger erfolgreich unsicher machen, geht in die Zehntausende. Demgegenüber ist die Zahl der Virenschreiber, die von den Ermittlungsbehörden bisher dingfest gemacht wurden, verschwindend gering. Das liegt natürlich daran, dass polizeiliche Ermittlungen nur dann aufgenommen werden, wenn durch einen Schädling ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. Die kleinen Fische werden also meistens ignoriert – und die großen Fische wollen sich partout nicht fassen lassen. Auch spezialisierte US-Strafverfolger gestehen ein, dass ein wirklich cleverer Virenschreiber nur durch besonders glückliche Umstände und Zufälle, nicht aber durch systematische Verfolgungsmethoden gefasst werden könne – ein Zustand, der besonders Microsoft mehr als ein Dorn im Auge ist.

Jeder Wurm ein Stückchen Anti-Windows-Werbung
Microsoft sah sich in diesem Jahr einer Vielzahl von Virenattacken ausgesetzt. So infizierte der Lovsan/Blaster-Wurm im August weltweit Computersysteme, die mit Betriebssystemen aus Redmond laufen, und versuchte, die Windows-Update-Seite durch einen Denial-of-Service-Angriff lahm zu legen. Ärgerlich für Microsoft: Das Wurmprogramm nutzte zu seiner Verbreitung eine kritische Sicherheitslücke in der RPC-Komponente von Windows.


Nur wenige Tage später startete Wurm Sobig den nächsten Angriff weltweit auf alle Windows-Rechner. Firmen- und Privat-PCs wurden mit einer Flut von infizierten Emails überschwemmt, die den Informationsfluss zum Beispiel in firmeninternen Netzwerken ernsthaft bedrohte. Solche und ähnliche Angriffe wuchsen sich für Microsoft in der Öffentlichkeit zu einem Image-Gau aus. Jedes neue Schadprogramm war pure Anti-Windows-Werbung. Gleichzeitig wurde dem Softwarekonzern vorgeworfen, nicht rechtzeitig genug vor dem Lovsan/Blaster Wurm gewarnt zu haben. In Kalifornien wurde eine Sammelklage gegen Microsoft erhoben, die dem Konzern zur Last legt, durch seine unübersichtliche Update-Politik für Virenschäden zumindest mitverantwortlich zu sein. Gleichzeitig wird dem Konzern sein Quasi-Monopol auf dem Markt der Betriebssysteme vorgeworfen. Die Kläger verlangen Schadensersatz in noch unbekannter Höhe.

Wer schrieb den Lovsan/Blaster-Wurm?
Die US-Behörden haben im Zusammenhang mit dem Lovsan/Blaster-Wurm erste Erfolge vorweisen können und zwei Verdächtige festgenommen. Beide haben das Wurmprogramm allerdings nicht selbst geschrieben. Es wird den Verdächtigen lediglich vorgeworfen, Modifikationen des ursprünglichen Wurmprogramms vorgenommen und verbreitet zu haben. Der wirkliche Autor des Lovsan/Blaster-Wurms wurde noch nicht aufgespürt. Auch vom Sobig-Bastler fehlt bisher jede Spur. Die ausgesetzte Kopfgeldprämie soll das nun möglichst zügig ändern.

Microsoft setzt auf Verrat
Die Kopfgeldprämie stammt aus einem Fond, den Microsoft gegründet und mit einem Startkapital von 5 Millionen Dollar ausgestattet hat. Microsoft hofft, die Hacker- und Virenschreiber-Zirkel durch dieses Kopfgeld zu verunsichern. Möglicherweise lässt sich der eine oder andere Szenekenner durch Kopfgeldprämien zum Verrat verleiten. Gleichzeitig könnte das Kopfgeldkonzept eine Signalwirkung entfalten und Nachahmungstäter abschrecken. Die Kopfgeldprämie ist nicht auf die USA beschränkt. Auch Bürger anderer Staaten können sie kassieren.

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