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Google News mit „eigenen“ Inhalten

Bewertung:
Google News mit „eigenen“ Inhalten IT-News-World.de 5 5

am 01.09.2007 | von Alfred Krüger

Suchmaschinenfirma Google wird auf seiner Nachrichtenseite Google News künftig auch vollständige Nachrichtenartikel anbieten. Entsprechende Vereinbarungen mit vier großen Nachrichtenagenturen gab das kalifornische Unternehmen kürzlich bekannt. Damit entfernt sich Google News vom Konzept eines reinen, vollständig automatisch erstellten Nachrichtenaggregators, der zu einer Meldung lediglich die Überschriften sowie einen kurzen Anreißertext und den Link zur Originalquelle liefert. Die Zusammenstellung der Nachrichten wird zwar – soweit ersichtlich – weiterhin automatisch von Algorithmen vorgenommen. Aus der bisherigen bloßen Linksammlung könnte künftig jedoch ein vollwertiges Nachrichtenportal bestückt mit Agenturmeldungen werden. Die etablierten kleinen und großen Nachrichtenangebote im Web hätten das Nachsehen.

Im Clinch mit Agenturen und Verlegern
Seit mehreren Jahren liegt Suchmaschinenunternehmen Google nun schon mit den beiden Nachrichtenagenturen AP und AFP im Clinch. Es ging um die Frage, ob Google mit seinen Google News die Urheberrechte der beiden Agenturen verletze. Google präsentiert in seiner automatisch von Computeralgorithmen erstellten Nachrichtenseite nicht nur die Überschriften zu einer Meldung, sondern auch kurze Anreißertexte sowie teilweise Bilder, die zu Thumbnails verkleinert wurden. Auch belgische Zeitschriftenverleger hatten die Suchmaschinenfirma aus einem ähnlichen Grund verklagt. Der belgische Verband Copiepresse hatte sich vor Gericht durchsetzen können. Daraufhin hatte Google mit den fraglichen Verlagen Lizenzverträge abgeschlossen.

Lizenzverträge mit Agenturen
Die nunmehr auch mit den vier großen Presseagenturen Associated Press (AP), Agence France Presse (AFP), Canadian Press (CP) und der britischen Press Association (PA) abgeschlossenen Lizenzverträge gehen allerdings noch einen Schritt weiter. Sie erlauben Google, künftig vollständige Nachrichtentexte der vier Agenturen auf seiner Nachrichtenwebseite anzubieten (hier ein Beispiel). Die etablierten kleinen und großen Nachrichtenseiten, die die Nachrichtenartikel der Presseagenturen kaufen und damit einen großen Teil ihrer Inhalte bestreiten, stehen somit auf der Verliererseite – zumindest auf den ersten Blick, und das gleich doppelt.



Die etablierten Medien auf der Verliererseite?
Erstens werden sie vermutlich eine Reihe von Besuchern verlieren, die über die Links auf Google News auf ihre Nachrichtenseiten gekommen sind. Wer bereits auf Google News die vollständige (Agentur-)Meldung lesen kann, wird sich kaum noch auf eine Redaktionswebseite verirren, auf der besagte Meldung – oftmals nur geringfügig umgeschrieben – ebenfalls zu lesen ist. Zweitens „entlarvt“ Google News durch den Abdruck der Agenturmeldung, dass die etablierten Medien ihre Nachrichtenartikel längst nicht mehr selbst schreiben, sondern – u. a. wegen des massiven Personalabbaus der letzten Jahre – ihr Angebot zu einem großen Teil mit reinen Agenturmeldungen vollstopfen. Eigenständige Recherche ist teuer und findet vielfach nur noch selten statt.

Bleibt Google News werbefrei?
„Wir sehen nun im Rahmen der so genannten Doubletten-Erkennung schnell und sicher, ob Medien die Meldung einer Nachrichtenagentur aufgegriffen haben“, sagte Josh Cohen von Google News laut dpa. „Unsere Nutzer werden künftig in der Lage sein, sich bei Google auch die Originalquelle in voller Länge anzuschauen.“ Inwieweit Google davon profitiert, bleibt abzuwarten. Noch steht offenbar nicht fest, ob der Suchmaschinen- und Werbegigant auf den Seiten mit den vollständigen Agenturmeldungen Werbung schalten wird. Derzeit ist das gesamte Google-News-Angebot überall auf der Welt noch werbefrei. Google profitiert bisher somit nur indirekt von seiner Newsseite. Googles Marketingstrategen gehen davon aus, dass man mit Google News die Nutzerzahlen der werbefinanzierten Suche und anderer Google-Dienste erhöht. Einen direkten Profit erzielt Google mit seiner Nachrichtenseite bisher nicht.

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