Bundeswanze statt Trojaner
Bundeswanze statt Trojaner
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am 03.08.2007 | von Alfred Krüger
Das „Geheimnis“ um den sogenannten Bundestrojaner ist gelüftet: Das BKA will seine Schnüffelsoftware per Hand im Rechner der zu überwachenden Person platzieren. Alles andere erschien den Technikern des BKA offenbar zu aufwendig. Wie das Computermagazin Chip von BKA-Chef Jörg Ziercke erfahren haben will, sollen sich BKA-Experten Zutritt zu den Wohnungen von Verdächtigen verschaffen und anschließend die Schnüffelsoftware per Hand auf den jeweiligen Rechnern installieren – ganz so, wie es auch zur Wohnraumüberwachung üblich ist.
Das BKA hat ein PR-Problem
Der Bericht, den die Redaktion der Computerzeitschrift Chip in ihrer neuen Ausgabe veröffentlicht und der gleichzeitig im Online-Angebot des Münchner Wochenmagazins Focus veröffentlicht wurde, erscheint glaubhaft. Chip-Redakteure haben ihre Erkenntnisse offenbar im direkten Gespräch mit BKA-Chef Ziercke gewonnen. Zusätzliche Informationen gab es vom IT-Chef des BKA sowie von einem der Entwickler jener Software, die verdächtige Personen online ausspionieren soll. Ziercke und die Seinen quäle ein PR-Problem, heißt es in dem Chip-Artikel: „Alle Welt redet von einem staatlichen Hackerangriff auf die PCs vorwiegend harmloser Bundesbürger. Von gesetzlich verordneten Sicherheitslücken, die Hersteller von Firewalls und Virenscannern in ihre Tools einbauen müssen. Von einer geheimen Zusammenarbeit mit dem anderen ‚Großen Bruder’ – Microsoft.“ Doch die geplanten Maßnahmen hätten mit alldem nichts zu tun, behauptet die Chip.
Remote Forensic Software
Zum Einsatz kämen lediglich die üblichen Geheimdienstmethoden sowie eine Schnüffelsoftware namens „Remote Forensic Software“ (RFS). Diese Software solle nur in Ausnahmefällen online in einem PC platziert werden, heißt es. Dieses Verfahren sei einfach zu schwierig, seine Erfolgsaussichten zu gering. Der Ablauf einer Ermittlungsaktion würde demnach nicht mit der Platzierung dieser Software, sondern mit den üblichen Observationsmethoden beginnen. Erst im Anschluss daran werde ein BKA-Team heimlich in die Wohnung des Observierten eindringen und eine Kopie seiner Festplatten ziehen – sofern diese ohne weiteres zugänglich sind.
Individuelles Überwachungstool
Anschließend werden die Festplatten analysiert. Darauf aufbauend wird ein individuelles Überwachungstool entwickelt, das perfekt auf die Rechnerumgebung zugeschnitten werde. Dieses Programm wird dann nicht etwa online in den Rechner transportiert, sondern auf ganz herkömmlichem Wege, weiß die Chip: BKA-Beamte machen die Wohnung noch einmal auf und installieren das Überwachungsprogramm. „Das Programm gleicht also eher einer Überwachungswanze als einem Trojaner“, heißt es in der Computerzeitschrift.
Daten frei Haus
Auch sonst glaubt man sich mit dieser eher konventionellen Methode offenbar auf der sicheren Seite. In einem Abwasch mit dem Installieren des Schnüffelprogramms könnte Sicherheitssoftware so eingestellt werden, dass sie nicht Alarm schlägt. Verschlüsselungscodes könnten aufgezeichnet werden und später online an die Überwacher weitergeleitet werden. Entsprechendes gelte für Passworte: Das BKA bekäme alles frei Haus geliefert.
Verschlüsselte Festplatten?
Welche Szenarien sich das BKA ausgedacht hat, wenn die Festplatten, die im ersten Überwachungsschritt kopiert werden sollen, passwortgeschützt und sicher verschlüsselt sind, hat die Chip leider nicht in Erfahrung gebracht. Offenbar wurde danach auch nicht gefragt. Vielleicht geht das BKA davon aus, dass jede Verschlüsselung irgendwann geknackt werden kann – und sei es erst in hundert Jahren.
Kaum Anwendungsfälle
Ziercke zufolge werde diese Observationsmethode mit Sicherheit äußerst selten zur Anwendung kommen. Der BKA-Chef geht davon aus, dass die Zahl der Fälle im einstelligen Bereich liegen werde. Zudem wünscht sich Ziercke eine umfassende richterliche Kontrolle der Online-Überwachung per Gesetz.
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