Kurpfuscher im Web
Kurpfuscher im Web
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am 04.08.2004 | von ak
Recherchieren im Internet will gelernt sein. Falsche Recherchemethoden gepaart mit naiver Gutgläubigkeit können sogar lebensgefährlich sein. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher von den britischen Universitäten Exeter und Plymouth. Sie haben 32 der größten englischsprachigen Gesundheitswebsites zum Thema „Alternativen zur Krebstherapie“ untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine von zehn Seiten gibt Rat suchenden Krebspatienten falsche und zum Teil gefährliche Fehlinformationen.
Schwankende Info-Qualität
Gut 55 Prozent aller Internetuser suchen im Web nach Gesundheitsinformationen. Gerade Krebspatienten fahnden im Netz oftmals nach alternativen Therapiemethoden. Sie können auf über einer halben Million Webseiten fündig werden – doch die Informationsqualität schwankt beträchtlich, wie die Forscher aus Exeter und Plymouth herausgefunden haben. „Die Menschen sollten darüber informiert werden, dass die Ratschläge auf diesen Websites nicht gut gemeint sind und sollten Spezialisten zu Rate ziehen“, kommentiert Edzard Ernst, Studienleiter und Komplementärmediziner an der Peninsula Medical School, die Ergebnisse der Studie.
Webseiten verunsichern Patienten
Kurpfuscher gibt es selbstverständlich überall. Aber auf Gesundheitswebseiten im Internet scheinen sie besonders häufig vorzukommen. Dort verbreiten sie ungehindert ihr zum Teil gefährliches „Wissen“ und verunsichern die Rat suchenden Patienten. Eine besonders intensive Wirkung erzielen solche Webkurpfuscher auf Surfer, die wegen einer lebensbedrohlichen (Krebs-)Erkrankung sowieso schon psychisch labil und damit leichter beeinflussbar sind. Diese Patienten klammern sich oft an jeden noch so fragwürdigen Strohhalm, der ihnen als Alternative zur Schulmedizin angeboten wird.
Vorsicht, falsche Informationen!
Im Einzelnen wurden aus dem Wust an Gesundheitswebseiten die 32 größten englischsprachigen Internetangebote herausgegriffen und unter dem Stichwort „Alternativen zur Krebstherapie“ gescannt. Das Ergebnis bestätigt die Befürchtungen. Eine von zehn Seiten gibt den Rat suchenden Surfern falsche und zum Teil sogar gefährliche Informationen. Insgesamt fanden die Forscher auf den untersuchten Medizinhomepages 59 äußerst fragwürdige Mittel wie grüner Tee oder Flachssamen, die angeblich einer Krebserkrankung vorbeugen können. Daneben wurden 118 vermeintliche Krebsheilmethoden gezählt, wobei Haifischknorpel ungewöhnlich oft als sicheres alternatives Heilmittel genannt wurde, obwohl noch längst nicht erwiesen ist, dass der genannte Wirkstoff tatsächlich die gewünschte lebensverlängernde Wirkung erzielt. Informationen dieser Art hält Studienleiter Ernst deshalb für äußerst fragwürdig, zumal unberücksichtigt bleibt, ob und wie alternative Mittel mit den verordneten Medikamenten zusammenwirken könnten.
Lebensgefährliche Webseiten
Für noch wesentlich schlimmer und gefährlicher hält Ernst Informationen, die er und seine Kollegen auf drei der getesteten Webseiten fanden. Es handelt sich um die Seiten HEALL, HealthWorldOnline und worldwidehealthcenter.net. Diese Seiten raten Krebspatienten offen von schulmedizinischen Krebstherapien wie Bestrahlung oder Chemotherapie ab. Eine dieser Seiten ermutigt ihre Leser gar, Behandlungs- und Therapievorschläge der Schulmedizin grundsätzlich zu missachten. „Diese Webseiten stellen für Krebspatienten ein Risiko dar“, meint Studienleiter Ernst.
Nicht alle schlecht
Nicht alle Medizinwebseiten sind schlecht. Auch das haben die englischen Forscher herausgefunden. Die Mehrheit der getesteten Webseiten liefere nützliche und verlässliche Informationen. Als herausragende Webseiten nennt Ernst die beiden Medizinhomepages Quackwatch und Bandolier. Diese Seiten seien absolut zu empfehlen.
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